Von Anfang an gepackt hat mich Sunil Manns neuester Krimi um Alois Mistelzweig und Berta Bartók. Die beiden bilden seit einem knappen Jahr eine Schicksalsgemeinschaft wider Willen und halten sich mit diversen Gaunereien und kleineren Diebstählen in den Cafés von Zürich über Wasser. Bis Alois überraschend damit beauftragt wird, eine verschwundene Seniorin aus dem Altersheim aufzuspüren. Schnell stellt sich heraus, dass Alois und Berta sich als Ermittlungsduo bestens ergänzen – und das erheblich mehr hinter dem Verschwinden von Emilie Furrer steckt, als ihre Auftraggeberin ihnen verraten hat.
Einerseits habe ich mich gleich für Sunil Manns sympathische Protagonisten und ihre zwielichtigen Lebensumstände erwärmt: Der ehemalige Konzertpianist, dann Klavierlehrer und zuletzt Gesellschafter Alois, der nichts im Vorfeld plant und oft in die Bredouille gerät und aus dessen Sicht die Ereignisse in der dritten Person geschildert werden. An seiner Seite die schroffe, voller Überraschungen steckende Berta. Andererseits hat mich überrascht, welche weite Kreise der Fall zog, in welche Richtungen ich den beiden folgen durfte und welch vielfältige Themen Sunil Mann damit ansprach (u. a. Vereinsamung im Alter und Altersarmut, den Rest will ich nicht spoilern). Anfangs musste ich an die Romane Marcel Huwylers denken, jedoch ist der Ton bei Gaunerpärchen Alois und Berta eine wunderbare Mischung aus Leichtigkeit, Humor und aber auch Ernst. Die Geschichte fesselt, ohne uns um den Schlaf zu bringen. Also der perfekte Krimi für alle, die es unblutig mögen.
Das Ende ist übrigens offen und schliesst mit einem fiesen Cliffhanger. Auf den Folgeband bin ich bereits enorm gespannt.