Buchrezension: Ilaria von Gabriella Zalapi
★★★★☆
Ilaria von Gabriella Zalapi ist ein Roman, der von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Die Schweizer Autorin erzählt die Geschichte mit einer Unmittelbarkeit, die man selten so präzise erlebt – die Sprache ist klar, präzise und dabei von einer feinen emotionalen Dichte durchzogen. Man spürt bei jeder Zeile die sorgfältige Handarbeit einer Schriftstellerin, die ihr Handwerk beherrscht.
Was besonders auffällt, ist die Spannung, die sich durch den gesamten Roman zieht. Zalapi versteht es, den Leser bis zur letzten Seite in der Schwebe zu halten – kein verfrühtes Auflösen, kein nachlassendes Tempo. Das ist keine Selbstverständlichkeit, und dafür gebührt der Autorin echtes Lob.
Die Eltern von Ilaria bleiben für mich jedoch schattenhafte Figuren. Mir fehlen mehr Einblicke in die Geschichten der Eltern, des Vaters so wie die der Mutter.
Das verleiht dem Roman zwar eine gewisse Leichtigkeit, hinterlässt aber auch das Gefühl, an der Oberfläche zu bleiben, wo mehr Tiefe möglich gewesen wäre.
Ilaria ist kein perfektes Buch – aber ein sehr gutes. Es liest sich flüssig, bewegt und hält bis zum Schluss, was es verspricht. Wer bereit ist, die Leerstellen als bewusste Entscheidung der Autorin zu akzeptieren, wird eine packende Lektüre erleben. Wer nach einem vollständigen Porträt sucht – auch der Welt, aus der Ilaria stammt – wird vielleicht, wie ich, mit einem kleinen Seufzer zuklappen.
Empfehlung: Ja – mit offenem Herz und der Bereitschaft, Fragen stehen zu lassen.