Ruth, nicht mehr jung und noch nicht alt, ist ins Schleudern geraten. Ben hat sie für eine jüngere verlassen, ihre Stieftochter Jenny ist in einer schwierigen Experimentierphase und nicht gut auf sie zu sprechen, und als Professorin für Ethik wird sie zurückgestuft wegen eines lange zurückliegenden Vorfalls. Als sie nach dem Tod ihres Vaters die Wohnung räumt, entdeckt sie Briefe, die ihr Bild von ihren Eltern abrupt in Frage stellt. Wer waren die beiden, wie haben sie das gelebt, und wie ist sie als einzige Tochter daraus hervorgegangen? Hin- und hergeworfen versucht sie mitten in den gesellschaftlichen Umbrüchen in ihrem durcheinandergeratenen Leben Orientierung und menschliche Nähe zu finden, ihre Tochter Jenny nicht auch noch zu verlieren.
Eine spannende Heldinnengeschichte, die berührt und trotzdem leicht zu lesen ist, sehr empfehlenswert.
«Liebes, sagte ihre Mutter, … ohne Geheimnisse kommst Du nicht durchs Leben»! (66)
«Man schaut hin und schaut hin und weiss, dass das, wonach man sucht, offen zutage liegt, und doch sieht man es nicht. Sie ist der traurige Smiley. Und sie will so unsichtbar werden, wie es nur zwischen den Millionen von Gesichtern in einer Grossstadt möglich ist. Die Wärme im Wagen ist künstlich, aber ausreichend». (186)