Mit “Little Hollywood” tauche ich als Leser tief in die Nostalgie der späten 90er beziehungsweise Anfang der Nullerjahre ein. Inga Hanka zeichnet das Bild eines Sommers, wie ihn wohl die meisten noch aus Erinnerungen kennen. Der Autorin gelingt es von Anfang an das Gefühl und die Atmosphäre dieser speziellen Zeit hervorzurufen. Dabei ist zu betonen, dass der Roman und die Geschichte von Leonie nicht bloss Anknüpfungspunkte für Nostalgieliebhaber*innen und Millennials bietet, denn er trägt die wichtigen Fragen in sich, die uns allen bekannt vorkommen dürfen. Neben dem nostalgischen Setting ist die Geschichte von Leonie vor allem auch eine Coming-of-Age-Geschichte, die ehrlich, nah und unprätentiös erzählt wird.
Hankas Sprache ist treffend, atmosphärisch und gefühlvoll. Sie schafft es, nicht nur die schwierig zu fassenden Gefühle sprachlich zu zeichnen, sondern mit wenigen Bildern die Stimmung zu ändern. Einziger Wermutstropfen sind die häufigen Metaphern, die nicht zum Setting, Atmosphäre und Nostalgie passen. Während es treffende Metaphern gibt (“Jeder Atemzug ist jetzt Brause in der Lunge”), gibt es viele, die irritieren und den Lesefluss stören.
Mit der Geschichte und Schreibstil bleibt die Autorin sehr nah bei den Gefühlen und der Stimmung, wohingegen die Handlung stellenweise nur angedeutet wird und unzuverlässig bleibt. Trotzdem stört es nicht, sondern macht die Geschichte im Gegenteil glaubwürdiger.