Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar von der Autorin erhalten und ich freue mich sehr, dass ich zudem zur Vernissage am 18.04. in Pfäffikon SZ eingeladen bin. Ein Debüt, das mich nicht nur thematisch angesprochen hat, sondern auch genau den Nerv der heutigen Zeit trifft.
In ‘Weggewischt’ begleiten wir drei Figuren, die alle auf ihre eigene Weise auf der Suche sind. Sophie wünscht sich nichts sehnlicher als eine echte, beständige Liebe. Etwas, das über oberflächliche Begegnungen hinausgeht. Sie bereitet ihre Dates sorgfältig vor, versucht alles richtig zu machen und hofft, endlich jemanden zu finden, der bleibt. Thiento hingegen trägt seine eigene Geschichte mit sich herum. Auch er sucht Nähe, doch gleichzeitig steht ihm seine Vergangenheit im Weg. Und dann ist da noch Loelia, die scheinbar frei und ungebunden durchs Leben geht, sich nicht festlegt und genau weiss, was sie will, oder vielleicht doch nicht?
Was dieses Buch so stark macht, ist seine Authentizität. Ela Jenni zeigt Dating so, wie es heute oft ist: schnell, oberflächlich, manchmal enttäuschend und gleichzeitig voller Hoffnung. Gerade das Thema Online-Dating wird sehr ehrlich dargestellt. Man weiss nie, wer wirklich hinter einem Profil steckt, was echt ist und was nur eine gut inszenierte Version von jemandem.
Ich mochte besonders, wie unterschiedlich die Charaktere sind. Sie wirken greifbar, echt und nahbar, gerade weil sie alle ihre eigenen Unsicherheiten, Ängste und Erwartungen mitbringen. Nach aussen geben sie sich oft anders, als sie sich innerlich fühlen. Ein Aspekt, der unglaublich gut eingefangen wurde. Dass die Figuren in ihren 30ern sind, bringt zusätzlich eine gewisse Reife und Realität in die Geschichte, die man nicht immer findet.
Auch die Emotionen wurden sehr feinfühlig dargestellt. Man spürt die Sehnsucht nach Nähe, aber auch die Zweifel, die Unsicherheit und die Frage, ob man sich selbst in diesem ganzen Dating-Konstrukt vielleicht verliert. Besonders stark fand ich die nüchterne Erkenntnis, dass Beziehungen von aussen oft perfekt wirken, es hinter den Kulissen aber ganz anders aussehen kann.
Der Schreibstil ist modern, flüssig und angenehm zu lesen. Die Geschichte lässt sich schnell weglesen, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Der rote Faden zieht sich klar durch das Buch und das Ende hat mich positiv überrascht. Es fühlt sich rund und stimmig an.
Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt nennen müsste, dann vielleicht, dass einige Entwicklungen noch etwas mehr Raum hätten bekommen können, um emotional noch tiefer zu wirken. Dennoch hat das dem Gesamtbild für mich kaum geschadet.
Fazit:
Weggewischt ist ein ehrlicher, moderner und sehr authentischer Roman über die Liebe in Zeiten von Dating-Apps, Selbstinszenierung und Unsicherheiten. Ein Buch, das nicht beschönigt, sondern zeigt, wie komplex Beziehungen heute sein können und genau deshalb so gut funktioniert. Ein starkes Debüt, das hängen bleibt. Nicht nur wegen der Geschichte, sondern wegen der Realität dahinter.