Rachid Benzine erzählt aus Sicht eines französischen Fotografen – aber in der zweiten Person! –, wie dieser beruflich 2014 nach Gaza reiste und dort auf den Buchhändler Nabil Al Jaber traf. Julien möchte ein Foto von Nabil machen, doch dieser bittet den jungen Fotografen darum, sich erst seine Geschichte anzuhören. Und so beginnt er zu erzählen: von der Vertreibung seiner Eltern 1942, vom Leben und Aufwachsen in Flüchtlingscamps, von Perspektivlosigkeit, Wut, Aufstand und dem ungebrochenen Willen, dieses Leben lebenswert zu gestalten. Er erzählt von Liebe und Verlust, Hoffnung und Verzweiflung. Zugleich betrachtet Julien das Gaza der Gegenwart, wie kreativ und unerschütterlich die Menschen dort den Widrigkeiten begegnen, wie freundlich und grosszügig gerade jene sind, die in unseren Augen kaum etwas zu geben haben. So wie Nabil, mehr Psychologe als Buchhändler, der seinen Kund*innen ansieht, welche Bücher sie brauchen und ihnen diese schenkt.
Es ist sicherlich ein einseitiger Bericht aus Gaza, zudem ein sehr kurzer. Und doch empfinde ich die Lektüre als enorm wichtig, weil sie zeigt, dass Menschen von diesem jahrzehntedauernden Konflikt betroffen sind. Menschen wie du und ich und nicht irgendwelche gesichtslosen Massen. Ich habe den Eindruck, das geht allzu schnell vergessen.
Aus dem Französischen von Andreas Jandl.