Wer bereits an Martina Bodgahns Debütroman «Mühlensommer» hatte, wird ebenso wie ich auch «Mirabellentage» mit Vergnügen lesen. Wir lernen die 54-jährige Anna kennen, langjährige Haushälterin und beste Freundin von Blumfelds Pfarrer Josef. Dieser ist kürzlich überraschend verstorben, was, gemeinsam mit seinem unorthodoxen letzten Wunsch, Annas Leben und dessen Sinn urplötzlich auf den Prüfstand stellt.
Was mir an Bogdahns Erzählweise so enorm gut gefällt, sind die vielen Anekdoten, die ihre Erzählerinnen aus ihrer Kindheit/Jugend (Mühlensommer) bzw. ihrem bisherigen Leben (Mirabellentage) schildern und mit denen sie humor- und liebevoll auf Höhe- und Tiefpunkte zurückblicken. Die Bilder, die dabei vor meinem geistigen Auge entstehen, sind derart lebendig und einprägsam, als wäre ich selbst dabei gewesen.
Der Rückblick ist der Autorin somit auch diesmal wieder voll gelungen. Jedoch blieben mir ihre Figuren in der Gegenwart etwas fremd. Da wollte der Funke nicht so richtig überspringen. Lieb gewonnen habe ich Anna, Fridtjof und die Bewohner Blumfelds trotzdem.
Dennoch hat mich Martina Bogdahns «Mirabellentage» mit seiner Leichtigkeit einmal mehr aus dem Alltag entführt und wunderbar unterhalten.