“Willkommen in der Vorstadt” ist ein Roman von Nicole Trope, der im März 2026 auf Deutsch bei Bookouture erschienen ist. Ich habe das Buch als E-book als Rezensionsexemplar auf einer Bücherplattform erhalten, vielen Dank dafür.
Eine kleine Sackgasse in einer kleinen Vorstadt - es ist eine durch und durch idyllische Szenerie, in die Amanda mit ihren beiden Kindern zieht. Könnte man meinen. Doch Amanda ist auf der Flucht, misstrauisch, und das bei näherem Hinsehen heruntergekommene Haus passt zur gesamten Gemütslage. Und auch die Nachbarinnen, allen voran Caroline, scheinen nett und liebenswürdig, aber was versteckt sich hinter ihrer grenzenlosen Neugier? Schon bald findet sich Amanda in einem Strudel von konfliktreichen Gefühlen und echter Gefahr, das ganze Buch hindurch baut sich eine düstere Spannung auf, die am Ende mehrere unerwartete Wendungen nimmt.
Ein Buch, das ich ohne Vorstellung darüber, was ich erwarten soll begonnen habe - und das ich dann innert 2 Tagen ausgelesen hatte! Ein echter Pageturner! Die Story entwickelt auf eine stille Art und nahezu ohne wirkliche Knaller eine teilweise rasante Handlung, die den Leser tief mit reinzieht. Das Buch spricht Themen an und schildet teilweise sehr explizite krasse Ereignisse, die keine leichte Kost sind, allen voran häusliche Gewalt und Manipulation. Die Autorin baut aber rund um das Thema eine sehr spannende Geschichte auf und schafft es, dass der Leser nicht verzweifelt zurückbleibt.
Schwächen hat das Buch jedoch leider im Schreibstil, der mir nicht wirklich gelungen scheint. Der Perspektivwechsel zwischen verschiedenen Protagonisten von Kapitel zu Kapitel ergibt hier viel Sinn, da sich nur so Puzzleteil für Puzzleteil die Erkenntnis beim Leser einstellt. Was ich aber überhaupt nicht verstehe, ist warum z.B. bei Caroline jeweils in der 1. Person erzählt wird, bei Amanda dann aber in der 3. Person. Das stört den Lesefluss und stiftet Verwirrung. Zudem ist das Buch im Präsens geschrieben, was zwar eine Art von Real-Time-Dringlichkeit erzeugt, meines Erachtens aber weniger flüssig zu lesen ist.
Die Personen sind interessant angelegt und zeigen eine interessante Entwicklung. Eine Ausnahme gibt es - den Sohn Jordan, der ein richtiges A"lochkind ist. Auch das ist allerdings interessant - es ist schwierig, wenn man als Leser realisiert, dass eine der Personen die man stark ablehnt ein Kind ist.
Wenn halbe Herzen bzw. Sterne bei der Bewertung möglich wären, dann gäbe es hier von mir 4.5 davon, wegen der stilistischen Schwächen. Aber insgesamt kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der Psychothriller mag und gewillt ist, sich auch auf aufwühlende Themen einzulassen. Das Buch eignet sich wohl sogar gut als Einstieg in dieses Genre, da es nicht zu lang und nicht überaus explizit in der Darstellung von Brutalität ist.