Nicht nur dem Vergangenen nachtrauern, will Bálint, der pensionierte Zellbiologe, nicht nur das «noch» eines alten Mannes leben. Und so verbringt er seine Tage mit Spazieren und Gesprächen, mit Beobachten von Menschen und von all dem Leben um ihn herum. Er sammelt Schnappschüsse und Gedanken zur «Kammer des alten Alters» und entdeckt dabei, wie viel gelassener er geworden ist, und wie ihn sogar Gedanken und Träume zum Paradies streifen, ob das nun dies- oder jenseitig sei. Neben der Trauer um seine verstorbene Frau Carla versucht er dem Kern des Lebens näherzukommen, analog zu dem, wie er als Biologe Zellkerne erforscht hatte.
Eine ruhige, beschauliche Novelle mit Gedanken zum älter werden und alt sein, mit Lebensrück- und ausblicken, tröstlich, versöhnlich und doch offen für das, was kommen mag. Sehr lesenswert.
«Als er aufsah, sein Blick über die Bücher, Nippes und Fotos im Regal gegenüber schweifte, kam es ihm vor, als sässe er im Museum der eigenen Biografie, einzig von Vergangenheit umgeben. Zeit, die zu Gegenständen, Möbeln, Teppichen, Bildern geronnen war». (26)
«Der Blick der Amsel war Carlas Blick gewesen, ein Blick des reinen, absichtslosen Schauens». (54)
«Vergänglichkeit verbindet, sie ist das, was allem Lebendigen innewohnt, und das man im anderen Wesen, sei es eine Pflanze oder ein Tier, erkennt und mit ihnen teilt» (60)
«Das sexuelle Begehren, die Fantasien, die ihn in den Wochen seit Carlas Suizid gequält hatten, waren eine Notwehr gegen den Tod – ein unbewusster Trieb, das Leben gegen das Erlöschen zu behaupten, Neues zu schaffen, die Gene zu erhalten». (64)
«Es wäre wunderbar und tröstlich, würde das, was er in den Träumen erlebte, nach dem Tod zu einem Zustand werden». (129)