Felix Leibrock ist mehr als nur ein leidenschaftlicher Fußball-Fan. In seinem Buch “Welches Trikot trägt der Fußballgott?” begibt er sich auf eine humorvolle Spurensuche und nimmt uns dabei auf eine sehr persönliche und humorvolle Reise mit, die weit über den Spielfeldrand hinausgeht. Von den staubigen Ascheplätzen seiner Kindheit im Saarland, von moosgrünen Torwänden, dem Duell „David gegen Goliath“ auf dem Ascheplatz und dem Duft von Schwenker-Grills, über kaputte Fensterscheiben (Gnade!) und dem legendären Torwand-Training im eigenen Garten. Dabei schafft er es auf beeindruckende Weise, große philosophische und theologische Fragen – wie etwa die nach Gerechtigkeit, Vergebung und Hoffnung – ganz bodenständig anhand von Fußball-Anekdoten zu erklären.
Doch er bleibt nicht in der Nostalgie stehen. Er spannt den Bogen von der legendären „Hand Gottes“ eines Diego Maradona bis hin zu aktuellen Fragen der Kommerzialisierung (das „Märchen vom Anti-Gott“) bis hin zu den glitzernden Arenen der Weltmeisterschaft und erzählt dabei Geschichten, die das Leben - und das Leder - schrieben. Dabei geht es um weit mehr als Tore und Tabellen: Es geht um das „Wunder von Bern“, “Pelé im Saarland - wenn der Göttliche kommt” und die Frage, warum Fußball für so viele Menschen zur Ersatzreligion geworden ist. Dabei liefert er eine charmante, tiefgründige und oft sehr witzige Liebeserklärung an das Spiel und das Leben selbst. Als Pfarrer und Literaturwissenschaftler gelingt ihm das Kunststück, die Kabinenpredigt mit der Kanzel zu versöhnen.
Die Besonderheit des Buches liegt darin, dass es sich teils um eine Autobiografie, teils um philosophisches Essay und auf der anderen Seite um humorvolle Satire handelt. Leibrock erklärt komplexe Themen wie Gnade, Vergebung und Schicksal anhand von Elfmetern und zerbrochenen Fensterscheiben.
Der Schreibstil ist sehr kurzweilig, bodenständig und voller Empathie. Man spürt auf jeder Seite, dass hier jemand schreibt, der Menschen und den Fußball wirklich mag. Wir erleben Tiefgang ohne Zeigefinger, denn auch, wenn der Autor Pfarrer ist, belehrt er nicht. Er sucht den „Fußballgott“ nicht nur im Jenseits, sondern in der Mitmenschlichkeit und dem Anstand auf und neben dem Platz.
Die Illustrationen von Moses Wolff fangen den humorvollen Ton perfekt ein und lockern die theologischen Exkurse wunderbar auf.
Fazit: Dieses Buch ist wie ein guter Doppelpass: Es geht schnell, ist präzise und macht einfach Freude. Es ist eine Pflichtlektüre für jeden, der schon einmal verzweifelt zum Himmel geblickt hat, weil der Ball am Pfosten landete – und für alle, die wissen wollen, warum Fußball für viele Menschen eben doch eine Religion ist. Für mich ein absolutes Herzensbuch, das zeigt, dass der “Fußballgott” kein exklusives Trikot trägt, sondern überall dort zu finden ist, wo Menschen mit Leidenschaft und Anstand zusammenkommen.