Mein Leseeindruck subjektiv, aber spoilerfrei 😉
Dies ist mein zweites Buch der Autorin und wird sicher nicht das Letzte bleiben…
Ich mag den präzisen, direkten, schnörkellosen, dennoch eloquenten Schreibstil von Eva Lohmann unglaublich gerne. Ich habe mir x Stellen markiert, da sie mit nur wenigen Worten einfach so viel Wahrheit ausspricht. Erzählt wird abwechslungsweise aus zwei Perspektiven, nämlich in der ICH- Form von Hellen, welche Jule direkt anspricht und in der dritten Person von Jule wobei diese mehr Raum einnimmt.
Wir haben da Jule und Hellen und beide werden durch die gewählte Sichtweise gut dargestellt, heisst , die Gedanken- und Gefühlswelt war transparent. Jule mochte ich lieber als Hellen, trotzdem könnte ich jedoch nicht sagen, dass ich sie total in mein Herz geschlossen habe. Ich konnte einfach sehr viele Dinge gut nachvollziehen und fühlen. Aber auch Hellen, als die “Affären- Frau” löste zeitweise etwas bei mir aus, was man durchaus als Sympathie bezeichnen könnte…Dennoch bleibt für mich durch die eher rationale Schreibweise immer eine gewisse Rest- Distanz. David der Ehemann wirkt zwischen diesen beiden Frauen schon fast ein bisschen blass und man erhält doch weniger Einsicht in sein Inneres.
Durch meine eigene Biographie geprägt, vermeide ich grundsätzlich die Thematik Betrug/ Affäre/ Fremdgehen, hier hat mich allerdings das Stilmittel neugierig gemacht und ich finde die Umsetzung wirklich gelungen. Mit feiner Beobachtungsgabe unaufgeregt, klar, jedoch nie langweilig wird der Unterschied zwischen Affäre &Betrogener und das Alltagsleben auf dem Land oder in der Stadt gezeichnet. Zusätzlich wird noch der Aspekt der ungewollten Kinderlosigkeit miteingeflochten, so dass wir als Leser insgesamt mit wirklich herausfordernden Elementen konfrontiert werden. Allerdings nimmt in der Geschichte Niemand so richtig Schaden und manche Punkte werden vielleicht ein bisschen zu beschönigt geschildert, weshalb das Buch auch nie schwermütig wirkt. Ich habe beim lesen immer wieder zustimmend genickt, fühlte mich verstanden, wurde teilweise melancholisch, zum nachdenken angeregt und habe wie oben schon erwähnt mehrere ausdrucksstarke, treffende Sätze mit Post-it beschriftet 😉
Ich vergebe gerne 4,5 Sterne