Die Familie sehen und sterben“ ist ein Krimi, der bei mir einen eher gemischten Eindruck hinterlassen hat. Der Einstieg und das Setting im Tessin haben mir gut gefallen – man merkt, dass der Autor die Region kennt, und die Atmosphäre ist stellenweise sehr gelungen. Auch der Schreibstil ist grundsätzlich interessant, wenn auch für mich nicht immer ganz stimmig: teils eindrücklich, teils etwas sperrig oder unnötig verschachtelt.
Spannend fand ich vor allem die familiären Verstrickungen und die angedeuteten Hintergründe. Gleichzeitig hatte ich aber oft das Gefühl, dass vieles eher angedeutet bleibt und nicht wirklich greifbar wird. Das erzeugt zwar eine gewisse Tiefe, kann aber auch frustrierend sein, wenn man sich mehr Klarheit wünscht.
Beim Krimianteil bin ich kritisch: Die Ermittlungsarbeit wirkt stellenweise zufällig und wenig strukturiert. Für mich bleiben zu viele Fragen offen, und ich hatte nicht das Gefühl, dass die Fälle wirklich befriedigend aufgearbeitet werden. Es kann gut sein, dass hier bewusst auf eine Fortsetzung hingearbeitet wird – als einzelnes Buch hat es mich aber nicht ganz überzeugt.
Die Figuren sind unterschiedlich gelungen. Während einige eher blass bleiben, wirkt Crivelli für mich als eine der wenigen wirklich kompetent und glaubwürdig gezeichneten Personen.
Insgesamt ist das Buch kein klassischer, stringenter Krimi, sondern eher eine Mischung aus Kriminalgeschichte, Familiengeschichte und Atmosphäre. Das kann seinen Reiz haben, hat mich persönlich aber nicht vollständig abgeholt.
Fazit: Interessanter Ansatz mit starkem Setting, aber mit Schwächen in der Krimihandlung und Figurenzeichnung. Ich würde es nicht vorbehaltlos weiterempfehlen.