Am Anfang hatte ich Mühe mit diesem Buch. Man wird direkt hineingeworfen, ohne Orientierung, fast so, als wäre man schon mitten in der Geschichte. Das hat es mir zuerst schwer gemacht. Aber sobald man diesen Einstieg überwunden hat, kommt man hinein. Mit der Zeit findet man in die Geschichte hinein, auch wenn vieles bewusst offen bleibt.
Pilar Adón erzählt nicht geradlinig. Die Sprache ist sehr bildhaft, fast traumhaft. Wahrnehmung, Erinnerung und Gedanken gehen ineinander über. Es passiert nicht einfach Handlung, sondern man erlebt Zustände. Auch die Dialoge sind speziell: Oft hat man das Gefühl, die Figuren hören einander gar nicht richtig zu. Sie reden nebeneinander her, was die ganze Atmosphäre noch fremder und unheimlicher macht.
Inhaltlich möchte ich nicht mehr verraten, als im Klappentext steht, weil man hier schnell zu viel verraten würde.
Was mir besonders geblieben ist: Dieses Buch arbeitet stark mit Stimmung, mit Natur, mit Körperlichkeit – und mit einem Gefühl von Eingeschlossensein, das nicht nur äußerlich ist.
Am Ende habe ich mich gefragt, was der Roman eigentlich sagen will. Und ich glaube, die Antwort ist gar nicht so kompliziert, wie es zuerst wirkt:
Es geht darum, wie schwer – vielleicht sogar unmöglich – es ist, mit dem Verlust eines geliebten Menschen zu leben. Diese Trauer zieht sich durch alles, nicht nur bei Coro, sondern auch bei den anderen Figuren.
Ich würde nicht sagen, dass der Roman eine klare Richtung verfolgt oder eine eindeutige Botschaft formuliert. Aber das hat mir nicht gefehlt. Es ist eher ein Buch, das man erlebt und nachfühlt, als eines, das etwas erklären will.
Sicher kein einfaches Buch, aber für mich ein sehr besonderes.
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