In Eine Seite noch – Warum Lesen so glücklich macht öffnet Meike Winnemuth ihr persönliches Leseleben und lädt die Lesenden ein, sie durch einen Sommer voller Bücher zu begleiten. Sie liest ohne strengen Plan, folgt Neugier, Lust und Zufall und macht dabei sichtbar, wie sehr Lesen nicht nur Wissen, sondern auch Denken, Fühlen und Leben formt. Das Buch ist weniger eine klassische Inhaltsbesprechung gelesener Werke als vielmehr eine Reflexion darüber, was passiert, wenn man sich wirklich auf Bücher einlässt: Gespräche entstehen, neue Perspektiven öffnen sich, Gedanken verzweigen sich in unerwartete Richtungen.
Winnemuth schreibt über Lese-Challenges, Begegnungen mit anderen Buchverrückten und über Ausflüge in die Welt der Literatur, die weit über einzelne Titel hinausgehen. Lesen erscheint bei ihr als eine Haltung: offen, neugierig, fragend. Menschen, die Bücher mögen, sind ihr – und auch mir – sympathisch, weil sie ein gemeinsames Interesse verbindet: das Interesse am Menschen und an der Welt. Lesen wird so zu einem Werkzeug, um selbstständig zu denken, Zusammenhänge zu erkennen und das eigene Leben zu erweitern. Oder, wie ein Gedanke aus dem Buch besonders schön ausdrückt:
Der Sinn des Lesens liegt darin, etwas zu finden, das man gar nicht gesucht hat – und dadurch das Leben eine Nummer grösser zu machen.
Nicht alles trägt gleichermassen: Die starke Ausrichtung auf klassische Literatur und einige längere Passagen nehmen dem Buch stellenweise die Leichtigkeit, und nicht über die gesamte Länge bleibt die Spannung erhalten. Dennoch überzeugt Eine Seite noch als liebevoll gestaltetes, kluges und persönliches Buch über das Lesen selbst – über seine Freude, seine Umwege und seine stille, nachhaltige Wirkung.