Als die Welt noch uns gehörte von Liz Kessler ein historischer Jugendroman, der inspiriert durch eine wahre Geschichte drei Kinder in Wien ab 1936 begleitet. Leo, Elsa und Max wachsen in einer Welt auf, die zunächst von Freundschaft geprägt ist, doch mit den politischen Entwicklungen verändert sich ihr Leben Schritt für Schritt.
Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt und macht sichtbar, wie unterschiedlich Menschen von denselben Ereignissen betroffen sind. Dabei steht nicht das grosse historische Geschehen im Vordergrund, sondern das, was es mit einzelnen Leben macht – mit Beziehungen, Entscheidungen und dem Erwachsenwerden in einer Zeit, die dafür keinen Raum lässt.
Was dieses Buch für mich besonders macht, ist die Gleichzeitigkeit von Grausamkeit und Menschlichkeit. Es zeigt, wozu Menschen fähig sind – und wie erschreckend und beunruhigend das ist. Gleichzeitig sind es die kleinen Gesten, die bleiben: Momente von Mitgefühl, von Mut, von Menschlichkeit. Genau darin liegt eine leise Form von Hoffnung.
Max steht dabei für einen inneren Konflikt, der schwer auszuhalten ist: das Bewusstsein, Teil einer Seite zu sein, die zur Bedrohung für die eigenen Freunde wird. Dieses Spannungsfeld macht deutlich, wie komplex Schuld, Zugehörigkeit und Verantwortung sein können.
Das Buch hat mich ähnlich berührt wie Das Tagebuch der Anne Frank oder Die Bücherdiebin. Es erinnert daran, wie wichtig es ist, hinzusehen, zu erinnern und Menschlichkeit nicht als selbstverständlich zu betrachten.
Als die Welt noch uns gehörte ist ein stilles, eindrückliches Buch, das lange nachhallt – weil es nicht nur Geschichte erzählt, sondern uns daran erinnert, was auf dem Spiel steht.