(Inhalt vgl. Cover)
Das Cover passt ausgezeichnet zur Geschichte. Die kalten Farben, ein Mann und ein Hund, Ruhe. Der Schreibstil ist einfach und atmosphärisch, ich fühlte mich jeden Moment mittendrin im Geschehen. Die Sprache ist knapp, direkt und unverschnörkelt. Die Erzählweise ist abwechslungsreich, in der Gegenwart mit Rückblenden und aus der Perspektive von verschiedenen Protagonisten. Die Pflegerinnen und Pfleger halten ihre Begegnungen mit dem alternden Bo schriftlich fest, so dass die physische Entwicklung von Bo präsent ist.
Diese leise Geschichte lässt viel Raum zur Selbstreflexion (wie bin ich mit meinen Eltern umgegangen?) oder für Vorstellungen und Wünsche an die Zukunft wenn ich einmal selbst von Dritten abhängig werden sollte. Die Herausforderungen des Alterns, Erinnerungen und Sehnsüchte, Würde, Bedauern für Verpasstes sowie Verlust der Eigenständigkeit. Wie schwierig die Verständigung zwischen Alt und Jung sein kann, wenn man in früheren Jahren nicht gelernt hat, eine klare, ehrliche und offene Kommunikation zu führen, hat mich beeindruckt, berührt und beschäftigt. Der Autorin ist ein schöner Debutroman gelungen.
- Niemand hat etwas davon gesagt, dass es normal ist, dass die Augen im Alter feucht werden; dass an fast allen Erinnerungen Tränen hängen.
- Er will nicht. Ich will nicht. Aber es spielt keine Rolle, was ich will oder was er will. Es spielt schon lange keine Rolle mehr.