Das Thema eines persönlichen, teilpersönlichen oder gar nur vorgetäuschten Todes der eigenen Person fasziniert jeden, den es einmal erfasst hat und es gibt eine Berufsgruppe, die diesem Thema eifrig nachgeht: die Geistlichen, die Mönche, die Weisheitslehrer. Allen gemein ist das tiefe Misstrauen gegenüber rein innerweltlichem Denken: Ihre sprachlich übertragbare Lösung ist die Imagination oder der Beizug weiterer Entitäten, auf denen oder mit deren Hilfe die innerweltlichen Tatsachen umrundet, umgangen, hintergangen oder gar übergangen werden können. Was den innerweltlichen Ablauf betrifft, so empfehle ich von Roland Schulz das Buch “So sterben wir”, eine tiefgründige journalistische Arbeit über das, was passiert und wie es zugeht - in der Welt - bis hin zum Tod dessen, der nach der Liegezeit das Grab der Person abgeräumt hat, um deren Tod es geht, nämlich um den Leser, das bin ich im Fall. Einen weiteren direkten Einblick geben die Werke von Monika Renz, die in der Palliativmedizin gearbeitet hat und dem Unerträglichen eine Dialogmöglichkeit mit ihren moribunden Patienten abringen musste und abgerungen hat, sonst hätte sie den Beruf nicht durchstehen können. Man kann es einfach sagen: “Gott macht keine halben Sachen!”, wenn schon eine Person entstand, nach seinem Bilde, dann treibt er diese Person auch weiter, durch das “Tor des Todes” hindurch und darüber hinaus … wie Jesus, der der Christus sein musste … aber dies ist nicht innerweltlich, offensichtlich nicht. Man kann es auch anders sagen, wie Sadhguru; das Interesse bei solcher Literatur liegt stets im Ingenium der Konstruktion von Gegen-, Über- oder Unterwelten, die neben der sich entfaltenden Welt herlaufen, sie überlagern oder womöglich verursacht haben sollten. Aus der geistigen Distanz einer solchen Konstruktion wird dann in die echte Welt hineingeschaut und den innerweltlich sich Mühenden - das ist z.B. der Schreiber dieser Rezension - eine Lehre zugerufen. Diese Lehre hat ihren Reiz vor allem in der Schönheit und Listigkeit ihrer Konstruktion und in den Auswirkungen, die sie in der echten Welt haben kann: da wäre das Yoga zu nennen, das bei rechter Praxis das mentale Übergewicht entschlackt und den eigenen Körper wieder an die würdige Stelle im Selbstbild zurückbringt, die ihm von je her gebührt hätte. Das ist freilich - um ein Lieblingswort des Predigers J. Ratzinger zu gebrauchen - ein feiner Widerspruch zu der Absicht, allem zu entfliehen, den Körper zu transzendieren und das Nirvana zu erreichen.