Erschöpft vom Londoner Hamsterrad, entdeckt die Erzählerin während der Pandemie, in ihrem Wochenende Ferienhaus auf dem Lande, wie eine zufällige Begegnung mit der Natur, ihr Leben verändert. Die Geschichte dieses tollen Buches erscheint zuerst sehr familiär und einfach: Erfolgsreiche, dem Burn Out nahestehende Erzählerin durchgeht während der Pandemie eine Sinnkrise auf ihrem umgebauten Country Retreat bis sie die fantastische Begegnung mit einem wilden Tier vor ihrer Haustüre macht. Aber irgendwie geschieht in dieser Geschichte viel mehr. Ja, da ist ein junger Feldhase, gewiss, und seine Entwicklungsgeschichte, aber was viel interessanter ist vor allem die Entstehung eines nicht menschlichen Dialogs zwischen dem Hasen und der Erzählerin, die viel Licht auf unsere Beziehung mit nicht menschlichen Nachbarn wirft. Da werden Fragen nach Kontrolle, Zustimmung, Grenzen und Autonomie aufgeworfen. Chloe Dalton unternimmt den mutigen, nachhaltigen, dauerhaften und geduldigen Versuch die Welt durch die Augen des Feldhasen zu sehen.
Es war der Autor Michael Pollan der über unsere Beziehungen zu Pflanzen gefragt hat: wer domestiziert hier wen? Diese Frage ist sehr relevant in dieser Erzählung. Das Setting ist Dalton’s umgebaute Scheune irgendwo auf dem englischen Lande. Das Buch besticht durch das Weglassen von persönlichen Details (nicht einmal der Hase, übrigens weiblich, hat einen Namen). In diesem Buch gibt es ganz wenig Ironie, dafür besitzt es eine traumhafte Qualität. Es ist voll von Zweiteiligkeit: Stadt/Land; zahm/wild; frenetisch/still; vor/nach Feldhasen: Zweiteiligkeiten die verführerischer und anziehender sind als unsere unordentliche Realität.
Unbedingt lesen.