Der Roman Susanna von Alex Capus erzählt die Lebensgeschichte einer Frau im 19. Jahrhundert, die zwischen Europa und den USA ihren eigenen Weg sucht. In einer von Umbrüchen geprägten Zeit erlebt Susanna persönliche Verluste, Aufbrüche und Neuanfänge, eingebettet in die Expansion Amerikas und die konfliktreiche Begegnung mit der indigenen Bevölkerung.
„Susanna“ überzeugt als biografisch inspirierter Roman durch seine dichte und zugleich zugängliche Erzählweise. Alex Capus gelingt es, historische Fakten so in eine Romanhandlung einzubetten, dass sie lebendig und spannend wirken, ohne je belehrend zu sein. Besonders eindrücklich ist die Ausarbeitung der Hauptfigur: Susanna erscheint vielschichtig, glaubwürdig und emotional greifbar, wodurch man ihr durch alle Höhen und Tiefen hinweg eng verbunden bleibt.
Die Stärke des Romans liegt nicht nur im Persönlichen, sondern auch im historischen Kontext. Die Darstellung der US-amerikanischen Expansion sowie der Umgang mit der indigenen Bevölkerung verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe und Relevanz. Capus schafft es, diese Themen sensibel und differenziert anzusprechen, ohne den erzählerischen Fluss zu bremsen.
Sprachlich bleibt der Autor seinem Stil treu: schlicht, präzise und dennoch aussergewöhnlich lesbar. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman so wirkungsvoll. Die Geschichte entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Insgesamt gehört „Susanna“, meines Erachtens, zu den stärksten Werken von Capus und hallt noch lange nach.