Übernatürlich – und doch real
Dieser Kurzgeschichtenband funktioniert auch für Leser*innen, die sonst keine Kurzgeschichten mögen, weil sich durch alle Texte ein klarer roter Faden zieht. Es geht immer wieder um Gewalt, um Verschwinden, um Frauen und queere Menschen, die an den Rand gedrängt werden oder einfach nicht mehr gesehen werden.
Die Geschichten sind sehr unterschiedlich: Geister, Verwandlungen, Körper, Dinge, die man nicht erklären kann. Und trotzdem wirken sie nie wie reine Horrorgeschichten. Oft hat man das Gefühl, das könnte real sein – nicht, weil es erklärt wird, sondern weil es so geschrieben ist. Der Stil ist ruhig, fast sachlich, und genau dadurch wird es so unheimlich.
Einige Geschichten versteht man sofort, andere bleiben offen. Aber das ist hier kein Problem, sondern Teil der Wirkung. Es geht nicht darum, alles aufzulösen, sondern darum, etwas zu zeigen, das bleibt.
Was ich besonders stark finde: Es gibt kein klares Gut und Böse. Die Gewalt kommt nicht nur von einzelnen Figuren, sondern aus Strukturen, aus Situationen, aus etwas, das einfach da ist. Deshalb gibt es auch keine wirkliche Erlösung.
Für mich ist das ein Highlight. Eine Autorin, die nicht einfach Geschichten erzählt, sondern etwas sichtbar macht, das unter der Oberfläche liegt.
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