Hier liest man wie die Hauptfigur Sebastian im Jahre 2013 eine Geschichte aus zwei zusammenhängenden Episoden seines Lebens aus dem Jahre 1766 und 1785 erzählt. Dazwischen haben wir noch eine Zeitebene aus den Jahren 1425 bis 1440, erzählt von der „Haushälterin“ Livia.
Die Themen: Die Mythologie der Bestie von Gévaudan, Götter unterschiedlicher Pantheons, Geister, Arkanes, Okkultes, Dämonen und Engel, Geschichtliches und Fantasy werden zu einer dichten, tiefen und funktionierenden Geschichte verwebt.
Die Hauptfigur Sebastian, sowie der erweiterte Hauptfigurenkreis und die Beziehungen, die sie untereinander haben, sind nicht nur bleiche Papiertiger, sondern spannend und unvergesslich geschrieben. Besonders die Partnerschaft zwischen Sebastian und Sarmodel, auch ihre Zankereien, haben mir sehr gefallen.
Die Geschichte selber findet nicht nur zwischen diesen zwei Buchdeckeln statt, sondern auch zwischen den Zeilen und in den eigenen Gedanken. Durch die Bemerkungen, die in den Fussnoten erwähnt werden, fragt man sich zum Beispiel plötzlich völlig Off-Topic in Gedanken, was Sebastian und Sarmodel im Jahre 2012 gemacht haben, um unsere Welt vor dem Untergang zu retten.
Der Autor erschafft mithilfe seiner Worte, deutliche, fantasievolle, ab und an auch blutige Bilder, Szenen und Landschaften. Man muss sich gar nicht groß anstrengen, um sich diese Welt vorzustellen.
Die Hauptgeschichte findet im Buch sein Ende, aber diverse Nebenstränge bleiben offen. Auch über die Figuren selber erfährt man nicht alles, was der Geschichte selber aber Würze hinzufügt und einem die Gelegenheit gibt, selber Vermutungen anzustellen bis die im Nachwort versprochene Fortsetzung kommt.
Meine Empfehlung: Lest es. Vor allem wenn ihr auf Fantasy mit Geschichtsbezug steht.
PS: Ich persönlich würde The Witcher (Buch 1) nicht so sehr mit The Red Winter (Buch1) vergleichen. Sind zwar beides Hexer und es geht um Bestien, wobei Sebastian sich noch diverse andere Bezeichnungen gibt. The Witcher habe ich beim Lesen eher als politisch und ein bisschen schwer zu lesen empfunden. Die Hauptfigur Geralt ist dabei eher neutral und erledigt Bestien für Geld, dazu ist er ein Grantler. The Red Winter hat mit Spaß gemacht und war teilweise lustig zu lesen (Fussnoten!) Und Sebastians hauptsächliche Motivation ist, Geister dazu bringen, weiter zu gehen und die eigenen Fehler auszubügeln, wobei er weder gut, böse oder neutral ist. Halt einfach Sebastian.