Der Plot ist das eine, die Schreibweise von Amélie Nothomb das andere - wie gewohnt schreibt sie auf ihre ganz besondere Art - vom Absurden zum schier undenkbar Absurden. Ein bisschen Eingewöhnung und dann nimmt es mich vollkommen ein, in den Strudel und manchmal hatte ich den Eindruck, ich spüre, wie die Gedanken in meinem Kopf die Richtung wechseln. Die Komik, die immer wieder stellenweise durchscheint, wird unvermittelt abgelöst durch die Grausamkeit des Machtmissbrauchs und der entwürdigenden Unterwerfung.
Amélie Nothomb kennt Japan gut, war sie doch dort in ihren Kinder- oder Jugendjahren mit ihren Eltern wohnhaft. In Japan spielt dieser skurrile Roman, bei dem unklar ist, wie viel Autobiografisches in die Handlung hineinfliesst, heisst doch die Hauptprotagonistin und Ich-Erzählerin “Amélie”.
Diese junge Frau erhält eine Anstellung in einem japanischen Grossunternehmen. Dort startet sie unter einem einjährigen Arbeitsvertrag in der Buchhaltung. Mit Buchhaltung hat sie weder viel zu tun, noch kann sie etwas lernen - dafür wird sie aber sehr direkt in die japanische Unternehmen- und Arbeitshierarchie eingeführt. Ihr europäisch geprägtes Verhalten passt da absolut nicht, genauso wenig wie sie das Gebaren ihrer japanischen Vorgesetzten verstehen kann - aber sie wird es lernen, die Gepflogenheiten, die Haltung, was sich für japanische Frauen und für japanische Männer, Vorgesetzte und Untergebene gehört. Als Weisse, aus dem fernen Westen stammende Frau sieht sie sich Ablehnung und vorgefassten Meinungen gegenüber. Wie sie diese Situationen erlebt, ihre Reaktionen, die Folgen - ein steiler beruflicher Abstieg bis zur niedrigsten der Funktionen und sich auch da noch Herabwürdigungen ausgesetzt sieht, davon handelt die Geschichte.
Wer Nothomb kennt, wird dieses Buch mögen und voller Erwartung sein, die nicht enttäuscht wird. Wer sie kennenlernen mag, mag mit diesem Buch nicht den einfachsten Einstieg haben. Les Aérostats fand ich etwas einfacher, damit hat mich Nothomb gefangen. Einstiegstauglich finde ich auch Psychopompos, Das Buch der Schwestern, Der belgische Konsul.
Der deutsche Titel ist unter Mit Staunen und Zittern verfügbar.
- Ton devoir est de te sacrifier pour autrui. Cependant, n’imagine pas que ton sacrifice rendra heureus ceux auquels tu le dédieras. Cela leur permettra de ne pas rougir de toi. Tu n’as aucune chance ni d’être heureuse ni de rendre heureux.
- “C’est l’infériorité du cerveau occidental par rapport au cerveau nipplon.”
Enchantée de ma docilité face à ses désirs, Fubuki trouva une repartie équitable:
“Il y a certainement de cela. Cepandant, il ne faut pas exagérer l’infériorité du cerveau occidental moyen. Ne croyez-vous pas que cette incapacité provient surtout d’une incapacité propre à votre cerveau à vous. … Jurez-moi que vous ne faisiez pas exprès d’être stupide.”