(Inhalt vgl. Cover)
Das Cover gefällt mir nicht besonders, weder die Farben, noch dass nur eine einzige Frau abgebildet ist. Wo es doch im Buch um vier Schwestern und ihre Mutter geht. Die Erzählweise macht ein flüssiges Lesen einfach. Die Geschichte wird fortlaufend und jeweils aus der Perspektive der drei Hauptprotagonisten Julia, William und Sylvie erzählt. Die verschiedenen Charaktere hat die Autorin sehr gut erfasst und beschrieben. Nur bei William brauchte ich etwas länger. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen: einfach und unverschnörkelt.
- Der Himmel verlor an Licht, die Luft wurde kälter.
- Julia hustete, und in ihrem Husten klang ein merkwürdiges Geräusch mit, als hätte ihr Inneres zu einen begonnen, ohne dass die Tränen die Oberfläche erreichten. Das Oekosystem unter ihrer Haut wandelte sich.
- Sylvie hielt inne, und William wurde bewusst, dass sie das immer öfter tat, die passenden Worte schienen schwerer zu erreichen, wie Früchte an den obersten Ästen eines Baumes.
Interessant war zu lesen, welche Art von Dynamik unter den Schwestern entstand, als ihr “System” gestört wurde (z.B. durch den Tod des Vaters, durch den Wegzug der Mutter oder durch die Präsenz eines Freundes, Ehemannes oder Schwagers). Ebenso interessant empfand ich, welches Verhalten die eine oder andere Tochter von ihrer Mutter oder ihrem Vater innehatte und sich dies wiederum bewusst oder unbewusst weitergegeben hat.
Das Buch hat mich mitgenommen auf die Reise einer Familie über drei Generationen. Die Beziehungen innerhalb des Systems wurden immer wieder auf die Probe gestellt, Hürden mussten überwunden werden und Prüfungen bestanden. Berührt haben mich Sätze wie beispielsweise:
Vor allem Husten wurde als fürchterlicher Verrat angesehen. War William erkältet, erlaubte er sich nur, in seinem Schrank zu husten, mit geschlossener Tür, den Kopf tief in seinen dort hängenden Button-down-Hemden vergraben, die er in der Schule tragen musste.
Er war keine Person mehr mit einem Namen und einer Geschichte, nur mehr ein in einer Flüssigkeit tanzender Korken, er spürte allein seine weichen, schrumpeligen Hände, die Sonne, die sein Gesicht verbrannte, das Wasser, das ihm in Augen und Ohren drang.
Er brauchte kein schmerzfreies Knie mehr. Schliesslich konnten Professoren sitzen. Sein Körper war mehr oder weniger unwichtig.
Sie zwang sich dazu, nach der Arbeit lange Spaziergänge zu unternehmen, um müde genug zu sein, schlafen zu können, aber wenn sie ins Bett kletterte, spürte sie, wie sich ihre unsichtbaren Nähte zum Bersten dehnten.
Wir befinden uns alle in Auflösung. Wie lange kann das noch so weitergehen.
Er meinte, Basketball sei Williams erste Sprache. Dass er als Kind mehr gedribbelt als gesprochen hat.