Ende des 18. Jahrhunderts in eine adelige Familie geboren, hatte Annette von Droste-Hülshoff besondere Voraussetzungen gegenüber der gewöhnlichen Bevölkerung. Ihr Drang nach Unabhängigkeit, nach Freiheit, sich über Konventionen hinwegzusetzen und über sich selbst zu entscheiden, ihre schiere Sturheit, die Begabung und ein scharfer Intellekt haben allerdings einen mindestens ebenso grossen Einfluss auf ihren Lebenslauf und auf ihr Schaffen.
Durch ihre hohe Herkunft ist sie privilegiert, das wird nie in Frage gestellt. So sind Bildung und Reisen selbstverständlich. Dass sie als Frau schreibt und auch publiziert hingegen, ist zu ihrer Zeit absolut unüblich. Starrsinnig wie sie ist, gepaart mit ihrer Klugheit, weiss sie ihre Bedürfnisse allerdings durchzusetzen. Bereits als kleines Kind schreibt sie Gedichte, sie liest viel, musiziert auch und komponiert sogar eigene Stücke. Der Dichtkunst gilt allerdings ihre grosse Liebe. Speziell bemerkenswert fand ihr ihre (Selbst-)Reflektiertheit.
Barbara Beuys schreibt eine umfassende Biografie, in welcher sie die Person Annette von Droste-Hülshoff in ihren unterschiedlichen Facetten präzise zeichnet und die Familie, die Bekanntschaften, Freundschaften wie auch die zeitlichen Geschehnisse, Religiosität und Glaubenshaltung der Droste sehr gut nahvollziehbar beschreibt. Gerade die Freundschaften sind äusserst spannend. So hatte “Nette”, wie auch ihre Familie, Bekanntschaft mit den Brüdern Grimm. Ihre Beziehungen mit Freunden männlichen Geschlechts, auch ihre Liebe(n) tragen zum grossen ganzen Bild dieser besonderen Frau bei.
Das Buch ist nicht nach Romanmanier geschrieben. Es ist ganz klar eine Biografie, anspruchsvoll zu lesen. Es gehört auch dazu, dass einige Begebenheiten wiederholt werden, so wie manche auch mehr als einmal an einen Ort reisen. Allerdings kann man es sich erlauben, hin und wieder ein paar Seiten etwas überblicksartig zu lesen, um sich kurz darauf wieder ganz einzuklinken.
Buchrücken:
… es mag mir mitunter schaden, dass ich so starr meinen Weg gehe, und nicht die kleinste Pfauenfeder in meinem Krähenpelz leide, aber dennoch wünschte ich, dies würde anerkannt…
Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff im Januar 1844