Das Buch beginnt mit einer Trennung, die niemals stattfinden wird. Die Autorin sagt ihrem Mann am Morgen, dass sie sich verloren haben und es so für sie nicht weitergehen kann. Am Nachmittag kommt ein Anruf aus der Notaufnahme der Charité mit der Information, dass ihr Ehegatte einen Schlaganfall erlitten habe. Sie eilt hin und in dem Moment wird ihr klar, dass sie bei ihm bleiben wird. “Wenn du stirbst, bringe ich dich um” flüstert sie ihm ins Ohr. Was folgt ist eine anrührende Geschichte aus dem wahren Leben. Die eigene Überforderung mit der neuen Situation, das Leid des Mannes, der immer gern diskutierte und sich nun nicht mehr klar mitteilen kann. Sie muss ständig übersetzen. Gabriele von Arnim hadert zudem mit dem schmalen Grat des Kümmerns und der Übergriffigkeit und dem Verstehen, dass man die Entscheidungen des Patienten akzeptieren muss, auch wenn man sie selbst nicht gutheisst. Eine Fülle von Menschen unterstützen sie bei der Betreuung ihres Mannes, der nicht mehr lesen kann und dies doch so gern tat. Es kamen Vorleser und setzten sich zu ihm und lasen vor, er wollte über die Bücher diskutieren, doch wurde nicht verstanden und trotzdem kamen sie immer wieder und machten weiter. Ich verneige mich vor dem Mut der Autorin dies alles so offen zu schildern. Es kam natürlich auch zu unschönen Situationen: teilweise unmögliche Umgangsformen von der Ärzteschaft, wenn sie ihn wieder ins Krankenhaus bringen wollten, während er klar sagte, dass er das nicht will. Auch die Abkehr von den sogenannten Freunden beschreibt sie sehr treffend! Das Buch ist sehr gut geschrieben und liest sich ausgezeichnet. Gut finde ich vor allem, dass sie alles schonunglos erzählt und nichts und niemanden in Schutz nimmt, auch sich selbst nicht. Menschen machen Fehler, das tun wir alle, auch wenn viele Menschenihre Art der Verarbeitung nicht gutheissen. Ich empfehle das Buch einfach jedem, denn wir wissen selbst nie, ob wir nicht auch mal in so eine Situation kommen und wie wir darauf reagieren. Daran kann zwar auch das Buch nichts ändern, aber wir können mal darüber nachdenken. Für alle, die sich vielleicht von der Schwere abgeschreckt fühlen: So ist das wahre Leben! Und vielleicht hilft es: aber ich hatte am Ende das Gefühl ein Buch über die Liebe gelesen zu haben. Ich finde es einfach offen, schonungslos und sehr ehrlich geschildert.