Sara El-Arifi versucht uns den Mythos der Kleopatra in ihrem Roman näherzubringen. Von Anfang an ist klar, das Geschichte und Mythos vermischt werden und so werden wir auf eine Reise geschickt, auf der nicht immer klar ist, was nun tatsächlich passiert und was lediglich Fiktion ist.
Spannung: Obwohl das Buch und vor allem der Prolog sehr vielversprechend klangen, fiel mir der Einstieg ins Buch nicht sehr leicht. Die Geschichte zog sich in die Länge, Spannung wurde nicht wirklich aufgebaut und der etwas speziellere Schreibstil vereinfachte das Ganze auch nicht. Erst ab dem zweiten Teil nahm die Geschichte Fahrtwind auf und wurde richtig spannend. Die Handlung hat mich gefesselt und so fiel das Blättern der Seiten auch um einiges leichter. Leider nahm die Spannung im dritten Teil aber wieder ab. Zwar war dieser Teil nicht ganz so zäh wie der Erste, jedoch konnte er definitiv nicht mit dem zweiten Teil mithalten.
Schreibstil: Das Buch lässt sich sehr flüssig und eifach lesen. Eigentlich mag ich den Schreibstil, jedoch gibt es ein Element, welches eher störend wirkt. Kleopatra spricht jeweils direkt mit dem Leser, oft auch über Sachen, welche in der Geschichte erst noch passieren. Anfangs war ich sehr zwiegespalten über dieses Stilelement, je mehr Seiten ich aber gelesen habe, desto störender wirkte es.
Figuren: Das Buch fokussiert sich auf eine gut überschaubare Anzahl an Figuren und alle Figuren wurden gut eingeführt. Dies empfand ich als sehr angenehm, den man musste sich nie fragen “wer ist das schon wieder?”. Die Figuren blieben aber oft eher oberflächlich beschrieben und ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich zu niemandem eine “Beziehung” aufbauen konnte. Die Figuren liessen mich eher kalt und wenn mich ein Schicksal einmal traf, dann nur wegen der Brutalität dahinter und nicht wegen der Figur an sich. Nicht einmal Kleopatra konnte mich in ihren Bann ziehen.
Ende: Das Ende des Buchs hat mich ebenfalls zwiegespalten. Einerseits wird etwas offenbart, was Vorangegangenes erklärt und der Geschichte noch einmal ihren eigenen Twist verleiht. Andererseits lehnt sich das Ende aber sehr in die Fiktion hinein, was dem Ganzen einen Beigeschmack verleiht. Zwar ist einem von Anfang an klar, dass es sich hierbei um kein historisch vollkommen akkurates Buch handelt, aber das Ende hat mir den Eindruck gegeben, dass die Fiktion überwiegt und entsprechend zweifelte ich dann fast den gesamten Inhalt des Buchs und dessen Wahrheit an.
Message: Sara El-Arifi will uns mit diesem Buch daran erinnern, dass Geschichtsschreibung nicht nur faktenbasiert ist, sondern durch viele subjektive Erzählungen geprägt wird. Meiner Meinung gelingt ihr dies wunderbar. Nicht nur in den Momenten, wo Kleopatra das selbst explizit erwähnt, sondern auch durch die Geschichte an sich. Es wird einem mal wieder klar, dass wir eigentlich sehr wenig über gewisse geschichtliche Ereignisse wissen und das wir den Überlieferungen einfach Glauben schenken. Wie wahr diese aber tatsächlich sind, kann keiner wissen.
Fazit: Das Buch war einfach zu lesen und hatte definitiv seine Höhen. Jedoch hat sich die Mehrheit des Buches in die Länge gezogen und ich wurde nicht richtig warm mit den Figuren. Vor allem der Mythos der “Kleopatra” und das Verlangen, mehr über sie zu erfahren, lässt einen gebannt weiterlesen. Für mich war das Buch somit eine angenehme Lektüre, die einen guten Zeitvertreib darstellt, aber gewisse Schwächen aufweist, die doch störend wirken.