Britt, Mitte Vierzig, verheiratet, eine Tochter ist wütend und das schon ihr ganzes Leben lang. Liegt es an ihrer Kindheit in welcher sie einen prägenden Verlust hinnehmen musste? Liegt es am Mädchen- und Frausein? Liegt es an ihrem Wesen, ihrem Charakter oder am Leben allgemein? Sie weiß es nicht so genau und kann ihre Gefühle nur schlecht Mitteilen. Bis ihr der Kragen platzt, im Sommerurlaub, und sie alle um sich herum anschreit.
Ich habe das Buch in weniger als zwei Tagen durchgelesen, es ist mit etwas über 200 Seiten kurz und nicht unangenehm geschrieben. Dennoch deprimierte mich das Buch über weite Teile. Nicht wegen des Themas Gleichberechtigung und Frausein an sich, sondern wegen Britts allgegenwärtiger negativer, wütender Einstellung. Da war ich doch froh, als auf Seite 105 wenigstens eine halbe Seite geschrieben steht, was Britta gefällt, was sie schön findet.
Ist Wut im Kampf um Gleichberechtigung tatsächlich zielführend? Ich denke nicht. Die Wut sollte sich in Mut umschlagen. Mut für sich selber einzustehen, auf sich zu hören und seine Grenzen zu ziehen, seinem Umfeld mitteilen, wenn es zu viel wird, wenn eine Pause notwendig ist, wenn wir Zeit für uns brauchen, über Gefühle reden – und zwar über die positiven wie die negativen. Wir sind eine Generation von Frauen, vielleicht die erste die wirklich etwas bewirken kann – bei sich und anderen. Geben wir unseren Töchtern auf den Weg, sich selbst sein zu dürfen, sich so anzunehmen wie sie sind, Nein zu sagen, Grenzen zu ziehen, auf sich zu hören und ziehen wir unsere Söhne zu empathischen Menschen groß, die Gefühle zulassen, die Ja zur Gleichberechtigung sagen und dieses Ziel täglich vor Augen haben, beruflich und privat, mit ihren Partner*innen auf Augenhöhe sind, auch wenn es schwierig oder anstrengend wird im Leben.
Das Buch gibt gute und wertvolle Denkanstöße, bleibt für mich aber viel zu sehr im Negativen haften.