Ich habe Mängelexemplar mit sehr gemischten Gefühlen beendet.
Es gibt Szenen und Gedanken, in denen ich mich selbst überraschend wiedererkannt habe, was mir ehrlich gesagt nicht immer angenehm war… Gerade darin liegt vermutlich auch die Stärke des Buches: Es zeigt sehr ungeschönt, wie sich Grübelschleifen und Selbstzweifel anfühlen können.
Gleichzeitig fand ich die Hauptfigur Karo über weite Strecken extrem anstrengend (was sie lustigerweise selber weiss und das auch immer pointiert ausdrückt, was auch nervt). Sie wirft ihrem Exfreund vor, dass er immer nur von sich selbst erzählt, selber kreist sie nahezu ständig um ihre eigenen Gedanken und Probleme. Diese Widersprüchlichkeit kann man vielleicht als Teil der Figur lesen, aber beim Lesen hat sie mich eher frustriert als überzeugt.
Besonders irritierend fand ich die Stellen, in denen ihre Psychiater betonen, wie reflektiert sie sei. Aus meiner Sicht wirkt Karo nämlich gerade nicht besonders reflektiert. Sie analysiert zwar ständig ihre Gefühle und ihr Verhalten, aber das ist nicht dasselbe wie echte Selbstreflexion. Oft hatte ich eher den Eindruck, dass sie eine Rolle sehr gut spielt – die der vermeintlich reflektierten Person – ohne wirklich aus ihren eigenen Mustern herauszutreten.
Trotzdem hat das Buch Momente, die hängen bleiben. Vielleicht gerade deshalb, weil es unangenehm ehrlich wirkt und Gedanken ausspricht, die viele Menschen kennen, aber selten so offen formulieren würden.
Am Ende bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck: ein Buch mit einigen sehr treffenden Beobachtungen, aber auch einer Hauptfigur, die mich über lange Strecken eher genervt als berührt hat.