Sschon Cover sowie Klappentext haben mich sofort gehabt. Dieser düstere, leicht gotische Vibe? Genau meins. Und dann spielt das Ganze auch noch in der Schweiz. Als Schweizerin war für mich klar: Das muss ich lesen.
Die Geschichte führt an die elitäre Montierst University. Eine abgeschottete, traditionsreiche Institution voller Regeln, Machtstrukturen und unausgesprochener Hierarchien. Grace kommt an diese Universität mit einem klaren Ziel und mit einem Geheimnis, das sie um jeden Preis schützen will. Isak dagegen gehört praktisch zum Inventar dieser Welt. Er kennt die Spielregeln. Er weiss, wie man sich darin bewegt. Und trotzdem ist auch er gefangen: in Erwartungen, Vergangenheit und Loyalitäten, die ihn innerlich zerreissen. Zwischen ihnen herrscht von Beginn an eine angespannte, fast feindselige Dynamik. Doch unter dieser Oberfläche brodelt etwas anderes. Etwas Gefährliches.
Was mich sofort gepackt hat, war die Atmosphäre. Dieses permanente Gefühl, dass hinter jeder Ecke etwas lauert. Intrigen, Machtspiele, Geheimnisse. Man weiss lange nicht, wem man trauen darf. Genau das macht den Reiz aus. Ich habe ständig überlegt, wer welches Spiel spielt und wer eigentlich auf wessen Seite steht.
Grace und Isak mochte ich besonders, weil sie auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Und doch tragen beide ähnliche Fesseln mit sich herum. Grace wirkt kontrolliert, fast kühl, aber je mehr man hinter ihre Maske blickt, desto deutlicher wird, wie viel Druck und Angst sie mit sich herumträgt. Lange bleibt ihr Geheimnis im Dunkeln, und als es endlich ans Licht kam, sass ich wirklich sprachlos da. Auch Isak ist mehr als das, was er nach aussen zeigt. Anfangs wirkt er hart, eingebildet und arrogant. Doch als seine Hintergründe Stück für Stück enthüllt werden, bekommt sein Verhalten eine ganz andere Tiefe. Das entschuldigt nicht jede seiner Entscheidungen, aber es macht sie nachvollziehbar. Und genau das mochte ich: Die Figuren sind nicht glattgebügelt. Sie handeln aus Schmerz, aus Trotz, aus Loyalität. Menschlich, nicht perfekt. Die Chemie zwischen ihnen? Intensiv. Aufgeladen. Dieses „Wir sollten uns hassen, aber da ist etwas zwischen uns“ wurde stark umgesetzt. Die Anziehung ist greifbar, ohne kitschig zu wirken.
Positiv hervorheben möchte ich definitiv die dichte Atmosphäre, die Spannung und die vielschichtigen Charaktere. Auch das Setting in der Schweiz bringt eine frische Note in das Dark-Academia-Genre. Sprachlich ist das Buch angenehm flüssig geschrieben, sodass man schnell durch die Seiten fliegt. Ein kleiner Kritikpunkt: An manchen Stellen zog sich das Intrigenspiel etwas, und ich hätte mir vereinzelt noch klarere Einblicke in bestimmte Nebenfiguren gewünscht. Manchmal bleibt bewusst vieles im Schatten, was zur Stimmung passt, aber auch etwas Distanz schaffen kann.
Und dann dieses Ende. Dieser Cliffhanger hat mich wirklich fertiggemacht. Genau in dem Moment, in dem alles eskaliert, wird man zurückgelassen. Auf brutalste Weise.
Fazit:
„Montcrest University“ ist ein atmosphärisch dichtes, düsteres Dark-Academia-Buch voller Geheimnisse, moralischer Grauzonen und intensiver Anziehung zwischen zwei Figuren, die sich eigentlich nicht begegnen sollten. 4.5 Sterne von mir – wegen der starken Stimmung, der emotionalen Tiefe und diesem schmerzhaft guten Cliffhanger.
Und ja: Ich brauche dringend die Fortsetzung.