Ich bin ein Newbie in Sachen Graphic Novels. Bei “Saloon” hat mich der Zeichenstil erstmal abgeschreckt zu Beginn. Wenn man sich aber daran gewöhnt hat, ist dieser kaum noch relevant beziehungsweise kann auf einigen Seiten sogar die Handlung unterstützen. “Saloon” handelt von einem jährlich stattfindenden Familientreffen, bei dem es auf den ersten Blick gesittet zugeht, aber unter der Oberfläche brodelt es "wie im Wilden Westen. Oberländer skizziert das Familientreffen aus unterschiedlichen Perspektiven von der Anfahrt einiger Teilnehmer:innen bis zur Abfahrt, umrahmt wird das Ganze noch von zwei Briefen. Im Buch erhaschen wir immer wieder Blicke auf verschiedene Protagonisten, was es sehr abwechslungsreich macht.
Die Graphic Novel überzeichnet einzelne Aspekte stark und dies durchaus bildlich. Die Wut eines Charakters wird durch einen übergroßen roten Kopf dargestellt. Das “Kuschen” eines anderen Protagonisten durch dessen Hunde-Optik. Mir hat dieses Schräge sehr gut gefallen. Auch Kontraste wie das kalte Fischbuffet in der Wüstenlandschaft machen diese Graphic Novel sehr abwechslungsreich. Sie ist gespickt voller witziger Einfälle und origineller Ideen. Die Story, die später noch “Streitschlichter” mit einbezieht ist eine Mischung aus konventionell und unkonventionell bis hin zum Absurden. Wie auch immer das nun gefällt: “Saloon” ist in jedem Fall witzig, originell und sehr smart. Nicht immer zündet (zumindest bei mir) jeder Gag und jede Anspielung (beispielsweise auf den Plakaten zwischendurch, die ähnlich wie in “normalen” Büchern die Zitate am Anfang von Kapiteln stehen. Aber Oberländer bietet ein echtes Feuerwerk an Ideen, über die man teils auch länger nachdenken kann.
So fand ich sicher nicht jeden Einfall supergut, aber ich hatte viel zum Nachdenken und Schmunzeln. Zudem war die Lektüre sehr kurzweilig und hat einfach Spaß gemacht, wenn man den Zeichenstil gewöhnt war. Ich kann dieses Debüt also jedem, der offen für originelle Ideen ist, ans Herz legen.