Über den Plot möchte ich nicht ausführlich sprechen. Wer dieses Buch zur Hand nimmt, weiss, dass es laut ist, überzeichnet, stellenweise exzessiv. Das ist kein Zufall, sondern Konzept. Man muss sich darauf einlassen wollen.
Was mich jedoch nachhaltig beeindruckt, ist der Stil von Jasmine Mas.
Sie besitzt die seltene Fähigkeit, Trauma literarisch so zu verarbeiten, dass es spürbar bleibt, ohne in Schwere zu erstarren. Ihre Protagonistinnen tragen Verletzungen in sich, die nicht romantisiert und nicht ästhetisiert werden. Stattdessen zeigen sie sich zynisch, impulsiv, widersprüchlich. Und genau darin liegt für mich die Stärke. Trauma äussert sich nicht immer in stiller Zerbrechlichkeit. Es kann sich in Sarkasmus zeigen. In Überreaktionen. In schwarzem Humor. In emotionaler Distanz, die wie Arroganz wirkt.
Gerade Leser:innen, die selbst mit Trauma, Überlebensmechanismen oder psychischer Belastung vertraut sind, könnten in diesen Figuren etwas Wiedererkennbares finden. Nicht, weil alles idealisiert wäre, sondern weil die Abwehrstrategien so präzise gezeichnet sind. Der bissige Humor wirkt wie eine Rüstung. Die Provokation wie Kontrolle. Das ist keine zufällige Charakterzeichnung, sondern psychologisch nachvollziehbar.
Ich verstehe, weshalb dieser Stil polarisiert. Die Absätze sind häufig kurz, die Sprache direkt, die Szenen mit Tempo geschrieben. Wer ausschweifende, ornamental erzählte Fantasy erwartet, wird hier möglicherweise irritiert sein. Doch Kürze bedeutet nicht Gedankenlosigkeit. Im Gegenteil. Man spürt die bewusste Setzung. Rhythmus, Timing, Pointierung. Hinter der scheinbaren Rohheit liegt Struktur.
Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, und gerade dort wird deutlich, wie präzise die Autorin mit Ton und Figurenstimme arbeitet. Die Charaktere besitzen eine klare sprachliche Identität. Der Humor bleibt konsistent, selbst wenn die Handlung eskaliert. Das Chaos wirkt kontrolliert. Die Überzeichnung bleibt intentional.
Man kann diesen Stil ablehnen. Aber ihn als oberflächlich abzutun, würde der handwerklichen Qualität nicht gerecht werden.
Für mich zeigt sich hier eine Autorin, die genau weiss, was sie tut. Und die bewusst entscheidet, wie weit sie geht.
Und ja, ich schätze das sehr