Wann brecht ihr eigentlich Reihen ab?
Gebt ihr einer Geschichte mehrere Chancen oder ist nach einem Band Schluss, wenn der Funke nicht mehr überspringt?
Genau diese Frage habe ich mir nach «Sunbringer» gestellt. «Godkiller» war für mich ein richtig starker Auftakt voller machtgieriger Götter, dunkler Flüche und gefährlicher Kreaturen. Das Worldbuilding war grossartig, die Figuren spannend und ich war sehr neugierig, wie es weitergeht. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an Band 2 und leider konnte mich «Sunbringer» nicht mehr so packen wie der erste Teil.
Die Geschichte setzt direkt nach den Ereignissen von «Godkiller» an. Kissen überlebt nur knapp und wird vom Meeresgott Osidisen gerettet. Während sie erfährt, dass ihrem Heimatland eine Invasion droht und sie ausgerechnet König Arren beschützen soll, kämpfen Elogast und Inara in Lesscia im Widerstand gegen genau diesen König. Die Handlung teilt sich dadurch stark auf und die Figuren sind grösstenteils voneinander getrennt. Das hat zwar die Spannung erhöht, mir aber auch das Gefühl von Gemeinschaft genommen, das ich im ersten Band so mochte. Besonders Kissen kam mir hier zu kurz, obwohl sie mein liebster Charakter ist.
Die Welt und die Götter haben mich weiterhin fasziniert und auch die Idee rund um Glauben und göttliche Macht finde ich richtig stark. Der Schreibstil ist bildlich und angenehm zu lesen, trotzdem hat sich der Mittelteil für mich sehr gezogen. Weniger Action, viele Perspektivwechsel und einige Entwicklungen wirkten auf mich etwas klischeehaft. Dafür mochte ich die Charakterentwicklung der meisten Figuren und das Ende war wirklich gelungen und macht neugierig auf das grosse Finale.
Fazit: Am Ende bleibe ich etwas zwiegespalten zurück. «Sunbringer» ist keine schlechte Fortsetzung, aber für mich deutlich schwächer als «Godkiller». Ob ich Band 3 lesen werde, weiss ich ehrlich gesagt noch nicht. Genau deshalb die Frage vom Anfang. Wann ist für euch der Punkt erreicht, an dem ihr eine Reihe loslasst?