Mit Der Boss beweist Iliana Xander erneut, dass sie Spannung gezielt aufbauen und Leserinnen und Leser bis zur letzten Seite fesseln kann. Bereits der Einstieg ist intensiv und geheimnisvoll für mich sogar noch stärker als bei ihrem Debüt Love, Mom. Der geschickte Aufbau und die frühe Andeutung einer zurückliegenden Geschichte sorgen von Anfang an für eine unterschwellige Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht.
Besonders gelungen fand ich das Spiel mit Erwartungen und möglichen Theorien. Immer wieder werden neue Fragen aufgeworfen, Hinweise gestreut und Zweifel gesät. Mein innerer Ermittler wurde dabei mehr als einmal auf eine falsche Fährte gelockt , genau das macht für mich den Reiz eines Thrillers aus. Das letzte Drittel nimmt noch einmal deutlich an Fahrt auf und sorgt für eine schlüssige Auflösung, die viele offene Fragen beantwortet.
Allerdings bleiben die Figuren insgesamt eher oberflächlich beschrieben. Dadurch fiel es mir stellenweise schwer, eine tiefere emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen. Manche Entwicklungen hätten für meinen Geschmack noch mehr Tiefe vertragen, um das Mitfiebern intensiver zu machen.
Der Spannungsbogen ist definitiv vorhanden, dennoch handelt es sich insgesamt um einen eher soften Thriller. Wer psychologisch ausgefeilte Abgründe oder besonders düstere Momente erwartet, könnte hier etwas weniger auf seine Kosten kommen. Das Ende ist – wie bereits bei Love, Mom eher sanfter Natur. Ich persönlich finde, ein Thriller darf durchaus auch tragischer oder kompromissloser enden.
Nichtsdestotrotz habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Der Boss bietet solide Spannung, einige gelungene Wendungen und ein angenehmes Lesetempo. Für Leserinnen und Leser, die Thriller mit moderatem Nervenkitzel und ohne allzu harte Abgründe bevorzugen, ist das Buch definitiv empfehlenswert. 📖✨