“…Das Ziel ist nicht, dass die Menschen glücklich werden. Das bin ich auch nicht.” “Sondern?” “Wir versuchen hier, schreckliches Elend in ganz normales Unglück zu verwandeln.” Dieser Dialog zwischen dem Ich Erzähler Leon und seinem Vorgesetzten an der psychiatrischen Klinik ist ein gutes Beispiel für die Tonalität des Buches.
Was dieses Buch so besonders macht ist das ungewöhnliche Konzept persönliche Erlebnisse und Erfahrungen mit philosphischen Zitaten, detailierten Beobachtungen, geschickt gestreutem Fachwissen betreffend Erkrankungen und Therapien, zu vereinen.
Getrieben von der Angst auf Grund seiner Anlage “verrückt zu werden” (Zitat: ‘Ich mache eine erste Hochrechnung. Es sieht nicht gut aus für mich.’) wird Leon selbst Psychologe. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in der Psychiatrie, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Im autofiktionalen Roman beschreibt Leon seine Familiengeschichte und sein eigener Werdegang in die Psychologie und seine Erkenntnis, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren.
Dieser Roman geht tief unter die Haut und kann Narben hinterlassen. Grossartig geschrieben zwischen Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Trauer und wiedergewonnener Lebensfreude. Nichts Anfängerhaftes begleitet diesen Debütroman.