Es gibt viele Bücher, wo Bekannte/Berühmte oder in der Öffentlichkeit stehende Leute über ihre Depressionen, ihre Burn-Outs und ihre psychologische Not geschrieben haben. Vielfach sind ihnen die Bücher aus der Hand gerissen worden, von einer Leserschaft, die der Optimierungsdrang der Gesellschaft über den Kopf gestiegen ist. Und dann gibt es Thomas Melle. Mit der prominenten Burn-Out Literatur hat Melles Buch nichts zu tun. Zum einen ist “Die Welt im Rücken” Literatur auf höchstem Niveau. Zum anderen schreibt er über eine viel zu gravierende Krankheit die ihn jahrelang an den Rand der Gesellschaft katapultiert hat.
Man spürt Melles Wut auf die Krankheit und auf die Gesellschaft, die ihr hilflos gegenübersteht. Der Kranke und der Terrorist – ein krasser Vergleich. “Ich rannte durch die Stadt und die Stadt war verrückt geworden…”, Melle gelingt es auf über 400 Seiten eindrücklich die bipolare Störung zu erklären, zu analysieren und zu beschreiben, so dass man es regelrecht nachempfinden kann. Dies erreicht er mit seiner bild-reichen genauen Sprache, den anschaulichen Metaphern und Analogien.
Da die Krankheit jederzeit wieder ausbrechen kann, ist dies nicht das heitere Buch eines Geretteten. Oft sind Bücher, die aus großer seelischer Not heraus geschrieben wurden, peinlich. Selten sind sie große Literatur. Thomas Melles Buch ist große Literatur, weil es ohne einen einzigen falschen Ton auskommt.