Ein tolles Buch, welches es versteht, in einem hübschen Gewand eine Geschichte zu erzählen und dabei nicht vor schonungslos sexistischen, rassistischen und kapitalistischen Wahrheiten zurückschreckt.
Das Magie-System wird oft mit “wie Programmieren” beschrieben und wurde auch so an mich herangetragen. Diese Parallele kann ich zwar verstehen, allerdings sehe ich das als doch relativ konstruiert und nur in kleinen Teilen als passend an. Wer sich also eine Nerderei auf dieser Basis erhofft, könnte enttäuscht werden, selbst wenn Bedingungen und im entfernten Sinn auch Adressierung aufgegriffen werden, doch insbesondere ersteres nur etwa auf 2 Seiten. Gleichwohl ist das System sehr kreativ und das Magiegerät hat durch seine Ähnlichkeit mit einer Schreibmaschine einen durchaus industriellen Charme.
Der Hauptfokus in diesem Buch ist aber sicherlich der im Titel erwähnte Unterbau, der Spiegel an uns selbst. Sexismus und kolonialistische Denk- und Handlungsweisen werden den Lesenden filterlos in all ihrer Brutalität präsentiert. Man spürt die gerechte Wut und hoffentlich auch die Erkenntnis, dass genau unsere Gesellschaft sich dieses Verhaltens ebenfalls schuldig gemacht hat und der Weg für ein faires Zusammen, bei dem Frauen und Männer gleich angesehen werden und der Wohlstand von einer Gruppe nicht auf dem Rücken einer anderen erreicht wird, noch lange nicht zu Ende ist.
Die Charaktere empfand ich als nachvollziehbar. Sie haben Makel, sie haben Meinungen und durchleben Erlebnisse, die dabei helfen, diese zu überdenken und indoktrinierte Muster zu hinterfragen oder gar zu ändern. Das Ende war grandios, und dass es gerade eine Frau ist, welche so einen Durchbruch auf einem Gebiet erzielt, dessen Voraussetzungen einem ganzen Geschlecht abgesprochen wurden (und das nicht nur in der Geschichte), freut mich besonders, und nach der letzten Seite hob ich mein Glas um still Ada Lovelace, Grace Hopper und nun auch Sciona Freynan zuzuprosten!