Das Wort „Genesthoi“ („So soll es sein“) auf einem Papyrus sei wahrscheinlich das einzige (!!) erhaltene Zeugnis einer der mächtigen Frauen der Antike. Viel über Kleopatras Leben sei durch die Sichtweise römischer Männer gefärbt, deren Schriften erhalten geblieben sind. Durch diese Anmerkungen der Autorin zu Beginn des Buches habe ich den Eindruck bekommen, dass El-Arifi einen feministischen Roman schreiben wollte. Sie spinnt diesen Faden von Kleopatras Zeit bis in unsere Gegenwart: Frauen werden über „ihre“ Männer definiert. Leider, leider ist genau das der Eindruck, den auch dieses Buch vermittelt: Kleopatra als Anhängsel mächtiger Männer. Es ist der Autorin nicht gelungen, Kleopatra als kluge, intelligente, selbstständige und selbstbewusste Frau zu positionieren. Die Autorin schreibt zwar im Buch mehrfach, DASS Kleopatra eine geschickte Herrscherin und Heeresführerin war. WIE sie dies aber hinbekommen hat, wird mit ein paar wenigen Sätzen abgehandelt, die ein Nachvollziehen nicht zulassen. Sehr ausführliche Beschreibungen hingegen las ich über Kleopatras Aussehen, ihren Schmuck, ihre Kleidung. Somit bedient El-Arifi genau die Klischees, die sie den Männern der Geschichtsschreibung vorwirft.
Durch die unkomplizierte Sprache lässt sich das Buch angenehm und zügig lesen. Die Jahreszahlen in den Kapitelüberschriften helfen der Einordnung in den zeitlichen Kontext, da die Erzählung teilweise um ein paar Jahre vorspringt. Die Anzahl der Figuren ist überschaubar, ich fand mich in der Handlung gut zurecht.
Ich erwartete eine dieser Erzählungen, welche die verkannten starken und mutigen Frauen aus der Dunkelheit holen und ihnen ihren verdienten Platz in der Geschichtsschreibung geben. Dieser Ansatz lässt sich erahnen, die Umsetzung ist meiner Meinung nach aber nicht geglückt. Stattdessen las ich eine Liebesgeschichte, einen halb-historischen Roman, stark vermischt mit Annahmen und Ergänzungen, die der Fantasie der Autorin entspringen. Wer sich an solchen Dingen nicht stört oder einen anderen Fokus auf die Handlung mitbringt, wird sicherlich ein paar angenehme Lesemomente mit dem Buch haben. Meines war es leider nicht.
Und ich hoffe sehr, dass das Bild von Kleopatra, das El-Arifi hier zeichnet, der reellen Königin nicht gerecht wird.