Das Buch hat für mich stark angefangen, vor allem mit den zwei Zeitebenen, die zunächst Neugier geweckt haben. Leider hat sich diese Struktur im Verlauf eher als Stolperstein erwiesen, da der spätere Fokus fast ausschliesslich auf 2016 liegt und der zweite Erzählstrang damit an Bedeutung verliert. Dadurch ging für mich einiges an Spannung und Tiefe verloren.
Die Geschichte liest sich zwar flüssig und ist solide erzählt, wirklich gepackt hat sie mich aber selten. Die Rahmung aus dem Jahr 2022 hat mich eher irritiert, da ich mir davon mehr Relevanz erhofft hatte – am Ende diente sie lediglich dazu aufzuzeigen, was aus den Figuren geworden ist.
Bob Oz ist der typische kaputte Ermittler, bei dem ich bis zuletzt nicht wusste, ob ich ihn mögen soll oder nicht. Positiv in Erinnerung geblieben sind mir jedoch einige starke Dialoge, insbesondere mit der Barfrau und dem Tierpräparator. Auch die Einblicke in die Geschichte der norwegischen Einwanderer sowie in die Taxidermie fand ich spannend und gut eingebaut.
Der Plot-Twist gegen Schluss ist gelungen und bringt endlich noch etwas Spannung ins Spiel. Insgesamt bleibt “Minnesota” für mich aber ein mittelmässiger Krimi, der gute Ansätze hat, sein Potenzial jedoch nicht ganz ausschöpft.