Nach den ersten 20 Seiten war ich skeptisch, ob mir das Buch wirklich gefallen würde. Die Zeitsprünge, ein Erzähler aus 2022, und ein Bob, der zu Beginn nicht ein Sympathieträger ist. Der Ermittler Bob Oz ist ein Mann am Abgrund. Der tragische Tod seiner Tochter und das Ende seiner Ehe haben Spuren hinterlassen. Der Alkohol ist zum ständigen Begleiter geworden. Nach seiner Suspendierung ignoriert er alle Regeln und setzt die Jagd nach dem Mörder fort.
Die Frauenfiguren im Roman sind nicht zentral, setzen aber wichtige Akzente. Sie spiegeln Verlust, Entfremdung und moralische Gegenpole zu Bob wider. Ihre Rollen auf jeden Fall wirkungsvoll.
Bob Oz ist ein klassischer Nesbø-Typ, kratzbürstig, kaputt und trotzdem irgendwie ein guter Kerl. Die Ermittlungen verlaufen zunehmend chaotisch, Fehler häufen sich, und Bob steht öfter allein da, als ihm lieb ist. Minnesota als Schauplatz war für mich neu und überraschend spannend, vor allem im Zusammenspiel mit politischen Themen, die im Moment in den Medien sehr präsent sind.
Besonders hängen geblieben ist mir Mike Lunde. Seine Arbeit als Tierpräparator ist faszinierend, fremd und gleichzeitig unheimlich. Die Dialoge zwischen ihm und Bob gehören für mich zu den starken Momenten des Buches. Wie sich seine Geschichte entwickelt, ist auch makaber.
Der letzte Teil war für mich der beste. Die Puzzleteile fallen zusammen, die Spannung steigt deutlich, und der Schluss kommt härter und unerwarteter, als ich gedacht hätte.
Fazit:
Kein perfekter Start, aber ein starkes Finale. Der Krimi gewinnt deutlich nach hinten raus und überrascht am Schluss mit Tempo und Wucht. Für mich war das Buch am Ende deutlich besser als erwartet.