“Am Saum der Jahre” ist eine ruhige Erzählung einer Frau in einer spannenden Zeit. Die Geschichte zeichnet den steinigen Weg von Margret hinaus in die Welt hinter dem Emmental und der Versuch, sich sowohl von der Familie und der Vergangenheit zu lösen als auch sich selbst zu definieren. Die Figur der Margret ist dabei tragisch und exemplarisch für viele Lebensläufe jener Epoche.
Dem Autor gelingt es dabei insbesondere sich der Atmosphäre und dem Zeitgefühl schreibend zu nähern, worin auch die Stärke des Buchs liegt. Wer also Atmosphäre, Setting und bildhafte Beschreibungen mag, dem könnte die Lektüre gefallen. Wer hingegen mehr Tiefe wünscht und sich für die Charakterentwicklungen interessiert, läuft Gefahr enttäuscht zu werden. Dafür bleiben die Figuren zu oberflächlich und gewinnen nie wirklich an Tiefe, das gilt auch für die Protagonistin. Stellenweise werden Zeitsprünge gemacht, die nicht ganz nachvollziehbar sind und damit Einblicke in das Leben von Margret ausgelassen, andererseits werden Beschreibungen ausformuliert oder Handlungsstränge aufgemacht, die in erzählerischen Sackgassen münden und mich als Leser unbefriedigt zurücklassen. Das Thema der Stoffe, Schneidern und Kleidung ist zwar das verbindende Element über die Jahre und Seiten hinweg, wird jedoch zu wenig ausgeschöpft, sodass Metaphern und Vergleiche sich hin und wieder einer anderen Sprache bedienen und auf ein anderes Thema zugreifen, das nichts mit dem verbindenden Thema von Margret zu tun hat.
Zusammengefasst eignet sich die Lektüre für das Eintauchen in eine beschreibende, veranschaulichende Sprache und in eine spannende Epoche, die Figuren bleiben jedoch distanziert, trotz tragischer Erzählelemente.