Die ersten Seiten haben mich direkt in die damalige Welt im Emmental gezogen. Bauernhof, enge Dorfgemeinschaft und wenig Spielraum für Frauen. Später öffnet sich der Blick vom Emmental nach Bern, Genf und bis nach Paris und das fand ich sehr spannend. Besonders gern mochte ich alle Szenen rund um Stoffe, Nähen und Mode. Man spürt, wie sehr ihr das liegt und wie viel Sehnsucht darin steckt.
Sehr stark fand ich, wie die Gesellschaft wirkt. Viele Entscheidungen treffen Männer oder ältere Verwandte. Wünsche prallen auf Pflicht und man sieht, wie gefestigt die Rollenverteilung ist.
Auch die Familiendynamik bleibt spannend. Eltern versuchen zu schützen und setzen doch Grenzen, die wehtun. Geschwister halten zusammen und geraten zugleich in Konkurrenz. Nähe und Schweigen wechseln sich ab, und vieles bleibt unausgesprochen.
Wer historische Lebensgeschichten mag, die ohne grosses Drama auskommen und trotzdem berühren, ist hier genau richtig.