Mit ihren vierzig Jahren ist Johanna keineswegs alt. Trotzdem fühlt sie sich so. Sie vermisst ihren vor kurzem verstorbenen Vater, ihre 15 jährige Tochter Rosa wird langsam erwachsen, ihre Ehe scheint mir fast traumhaft gut zu laufen - eine “chaotische” Floristin und ein durchgetakteter, ordnungsliebender Marinekapitän notabene - und dennoch hat sie den Eindruck, dass Hendrik sie nicht mehr ansieht. Die Sorgenfalte auf ihrer Stirn beschäftigt sie. Sie, die ihrer Tochter nachdrücklich beigebracht hat, dass Äusserlichkeiten, das Aussehen nicht wichtig ist, dass das Wesen des Menschen die Schönheit ausmacht. Das war ernst gemeint. Aber jetzt fühlt sie sich durchsichtig, wird nicht mehr gesehen - auch andere Männer schauen sie nicht mehr an.
Sie lässt sich die Sorgenfalte aufspritzen - und was passiert - gar nichts. Sie ist die einzige, die es sieht. Es bleibt nicht bei diesem einen Eingriff.
Weitere Veränderungen folgen. Konflikte mit der Tochter, mit Hendrik, Auseinandersetzung mit ihrer Mutter. Es sind die Fragen vom Älterwerden, den Veränderungen in der Sicht auf das eigene Leben, die Gedanken um das, was zurückliegt - Kindheit, Liebe, Mutterschaft, die Beziehung zu den Eltern - das Älterwerden.
Es gibt keine Dramen in dieser Geschichte. Sie ist ruhig, ohne schlimme Szenen, ohne Bangen, dass sie schlecht ausgehen könnte und sehr angenehm zu lesen. Dass Eva Lohmann Johanna als Floristin mit eigenem Laden und ihr Berufsleben darstellt, der idyllische Garten mit Schäferwagen, den sie von ihrem Vater geerbt hat und der ganz nützlich ist in der Geschichte, sind klug gewählt und tragen wesentlich zum Wohlfühlen beim Lesen bei.
Was mir nicht so gut gefallen hat, hat mehr mit meinen eigenen Interessen zu tun. Der rein kosmetischen Medizin und Industrie kann ich nichts abgewinnen und es ist aus meiner Sicht kein weltbewegendes Thema, eines, das nur in einer Wohlstandsgesellschaft aufkommen kann. In der Lebensrealität von Johanna kann ich mich nicht finden - es ist fast eine Bilderbuchrealität. Einiges geht für mich auch nicht auf - eine vierzigjährige Frau, die sagt, dass sie die Knochen am Morgen beim Aufstehen schmerzen - aus Altersgründen - das ist bei mir auch mit über 25 Jahren mehr auf dem Buckel nicht so.
Ich weisst nicht mehr, weshalb das Buch auf meine Merkliste kam - wenn ich vom Inhalt gewusst hätte, wäre es nicht dort gelandet. Ich habe es gelesen, weil ich mich willentlich darauf einlassen wollte und habe das Buch angenehm und gut zu lesen gefunden. Die Bilder, die sie weckt sind sehr gut, man kann sich die Personen lebhaft vorstellen und hat bestimmt gute und entspannende Lesestunden.
(Hendrik) “Wie läuft es mit der neuen Mitarbeiterin?”
“Ruby? Ich liebe sie.”
…..
“Seit sie da ist, steigt der Umsatz kontinuierlich.”
“Wie kann das sein?”
Johanna seufzt. “Sie ist jung. Und mutig. Und sie hat einfach wahnsinnig viel Energie. Ihr neuestes Projekt sind Wolken aus Blumen.”
Genau wie Johanna bei ihrer Tochter nimmt Hendrik bei Johanna kleinste Nuancen im Tonfall wahr.
“Klingt interessant. Könnte sie aber alles nicht machen, wenn du ihr nicht auch die Möglichkeit dazu geben würdest.”