Dass diese Geschichte keine leichte Kost ist, war mir eigentlich schon klar, als ich die Beschreibung gelesen habe. Essstörungen sind generell ein schwieriges Thema; dass mich dieses Buch allerdings so stark mitnimmt, hätte ich nicht gedacht.
Dabei waren es gar nicht die detaillierten Beschreibungen der Bulimie und mit welchen Strategien die Protagonistin diese verheimlicht hat. Sondern die tiefgreifende Unsicherheit, von der die anderen Figuren zwar ebenfalls nichts mitbekommen, aber zu der wir als Leser ungehindert Zugang erhalten, hat mich ein wenig in meinem Sein erschüttert. So dass mich ein beklemmendes Gefühl überkam und ich das Buch weglegen musste.
Aus dem Kopf ging es mir natürlich nicht und so dauerte es nicht lange bis ich wieder in die Geschichte von Ginny und Raphael eintauchte. Und ich die beiden lieben lernte. Ihre gemeinsamen Freunde allerdings weniger.
Emma Noyes zeigt mit ihrem Roman auf, was passieren kann, wenn Menschen ihre Unsicherheiten und Ängste tief in sich vergraben und nicht darüber sprechen. Und dass Heilung erst stattfinden kann, wenn man sich jemandem anvertraut. Dieses Buch ist eine Empfehlung für jede*n die/der bereit ist sich mit den unangenehmen Seiten der Magersucht/Bulimie, Selbstzweifeln, emotionalem Missbrauch und dem Gefühl des «Verlorenseins» in den 20ern auseinanderzusetzen.