Beim Lesen ist die Liebe zur Sprache so deutlich zu spüren, dass ich mich direkt an Werke von Walter Moers zurückerinnert fühlte – umso passender spielt ein Grossteil der Geschichte in der Stadt der träumenden Türme, was gleich zu zwei der Bücher von Walter Moers eine Assoziation schafft (auch wenn die Autorin wohl kaum mit diesen vertraut sein dürfte). Geschickt werden Etymologien aufgezeigt, erklärt, mit diesen gespielt und damit ein kreatives Magiesystem heraufbeschworen.
Noch viel wertvoller, zumindest für mich, waren jedoch die verschiedenen Perspektiven auf den Kolonialismus. Nicht nur jene der Charaktere, welche diesen als Betroffene erleben, sondern auch von indoktrinierten Verteidiger:innen dessen. Argumente, welche man als Zentraleuropäer sicherlich auch schon durch seine Hirnwindungen hat schleichen lassen, die bei einem tatsächlichen Abgleich durch eine humanistische Brille jedoch schnell zerbröckeln wie Mauerwerk nach Silberbarren-Magie.
Besonders gefallen hat mir auch der Fussnoten-Stil, welcher die lesende Person nicht auf wissenschaftliche Art zu anderen Quellen führt, sondern kohärent die Weltgestaltung verdichtet und erweitert.
Obwohl einige Entscheidungen, insbesondere von den Charakteren konstruierte Ausreden, etwas seltsam auf mich gewirkt haben, da es aus der lesenden Perspektive näherliegende und schlüssigere Wege gegeben hätte, war die Lektüre ein grosser Genuss. Sowohl kulturell als auch linguistisch wurde ich bereichert und freue mich auf das Eintauchen in weitere Werke der Autorin.