For Whom the Belle Tolls war für mich ein Feel-Good-Buch mit Tiefgang . Ich habe mehrere Male beim Lesen gedacht: Ich hoffe einfach nur, dass das Leben nach dem Tod genau so ist, wie hier beschrieben!
Die Geschichte folgt Lily, die nach ihrem Tod in der Hölle landet, aber nicht weil sie in die Hölle gehört, wie sie selber denkt. Sondern weil sie helfen will. Und die Hölle ist dann auch ganz anders als erwartet: Statt Schrecken und Verdammnis kreiert Lily einen Hellp-Desk um Seelen, die sich beschweren wollen abzufangen. Ausserdem gibt es unzählige Dämonen die mehr mit Teddybären gemeinsam haben als mit dem was man sich darunter vorstellt, viel gesunde Kommunikation und eine Gemeinschaft, die Trauma nicht romantisiert, sondern ernsthaft aufarbeitet.
Dieses Buch ist im Kern eine grosse Therapiesitzung: Trauma, Verlust, Krankheit, Schuld, Selbstakzeptanz, Kinderlosigkeit, die Frage nach Wiedergeburt, und mehr, … all das wird ruhig, erwachsen und erstaunlich respektvoll abgehandelt und beschrieben.
Besonders herausstechen ausserdem für mich:
die reife, gesunde Beziehungsdynamik zwischen Lily und Bel
die Found-Family-Vibes
die berührenden Szenen mit Sharkie
das Worldbuilding des Jenseits, das kreativ, tröstlich und anders ist als erwartet
Eigentlich alle Figuren (ausser dem Seelen die in die Hölle gehören) sind wandelnde Green Flags. Grenzen werden respektiert, Konsens ist selbstverständlich, niemand wird manipuliert oder klein gemacht. Das fühlt sich beim Lesen wohltuend und cozy an.
Aber so schön sich das alles auch liest: Es passiert sehr wenig.
Die Handlung plätschert lange vor sich hin, ohne klaren Spannungsbogen oder roten Faden. Der später eingeführte Kriegs-Plot wirkte auf mich unnötig und unausgereift: Entweder hätte man ihn ganz weglassen sollen oder deutlich tiefer ausarbeiten. So bleibt er oberflächlich und fügt dem Buch kaum etwas hinzu.
Das Buch ist mir dann auch wirklich zu lange und ich finde viele Passagen hätten gestrafft werden können, ohne dass Atmosphäre oder Tiefe verloren gehen. Gerade auch die vielen (und sehr ausführlichen) spicy Szenen, hätte es für mich nicht gebraucht. Sie warn oft nicht handlungsrelevant und standen für mich in einem seltsamen Kontrast zu den sensiblen, stillen Themen des Buches.
Ich hätte mir weniger explizite Szenen und dafür mehr Plot, mehr Fokus, mehr Entwicklung gewünscht. Gerade weil die Geschichte emotional so stark ist, fühlten sich manche dieser Szenen für mich eher störend als bereichernd an.
For Whom the Belle Tolls ist ein warmes, heilsames, sehr erwachsenes Buch, das zeigt, wie respektvoll Beziehungen (in allen Bereichen) erzählt werden können. Es ist cozy, humorvoll, manchmal traurig und tröstend, gerde auch für Menschen die wissen, wie es sich anfühlt jemanden gehen zu lassen.
Ich habe das Buch gerne gelesen und mochte die Grundidee sehr, aber es hat mich nicht vollständig überzeugt, deshalb für mich 3.5 von 5 Sternen.