„Am Saum der Jahre“ von Thomas Röthlisberger hat mich zunächst durch sein stimmungsvolles Cover angesprochen: eine Schneiderei in dezenten Farben, die Ruhe und Handwerk ausstrahlt. Als Wahl-Emmentalerin hat mich der erste Satz des Klappentextes sofort neugierig gemacht: Margret Bermann wird in eine vielköpfige Familie im Emmental geboren. Mit grosser Vorfreude habe ich das Buch als Rezensionsexemplar entgegengenommen und mich darauf gefreut, es in der Leserunde des Book Circle von Orell Füssli zu diskutieren.
Die Geschichte selbst ist spannend und vielschichtig. Sie erzählt vom Leben einer Frau, die sich durch zahlreiche Schwierigkeiten kämpfen muss. Röthlisberger spannt den Bogen über mehrere Jahrzehnte, was dem Roman historische Tiefe verleiht. Allerdings führen die vielen Zeitsprünge dazu, dass der Lesefluss immer wieder unterbrochen wird. Der Schreibstil ist sachlich und nüchtern, was zwar eine klare und präzise Sprache bietet, aber auch eine gewisse emotionale Distanz schafft. Dadurch fiel es mir schwer, Margret wirklich nahe zu kommen und mich in ihre Gedanken- und Gefühlswelt hineinzuversetzen.
Trotz dieser Distanz bleibt die Geschichte lesenswert, vor allem für jene, die sich für einen authentischen Roman mit starkem regionalen Bezug interessieren. Wer jedoch eine warme, psychologisch tiefgehende Erzählung sucht, könnte sich mit diesem Stil schwertun.