Jörg Hartmann schreibt in diesem Buch über sein Leben, über alles, was dieses ausmacht. Ich bin begeistert von diesem Buch! Der Autor hat mich mitgenommen mit seiner Sprache, seiner Stimme und dem Inhalt. Ich hatte den Eindruck, dass man ihm ganz nahe kommt.
Jörg Hartmann muss zum Zeitpunkt des Erstellens in der zweiten Hälfte der Fünfziger sein. Seine Erzählungen beginnen aus der Zeit, in der er an der Schauspielschule war und mit seinem Freund zum Vorsprechen ging, was mich schon oft zum Schmunzeln brachte. Man kann sich den jungen Hartmann gut vorstellen. Es folgen Erinnerungen an die Eltern, an die Grosseltern und sehr berührend jene an seinen Vater, dessen letzte Zeit im Heim für Demenzkranke. Seine ersten Anstellungen, seine erste grosse Liebe, Frau und Mutter der ersten Tochter, seine zweite Frau und ihre gemeinsamen Kinder. Eigentlich hatte ich den Eindruck, dass immer die grosse Liebe in ihm war/ist, bei allen seinen Angehörigen. Man nimmt aber auch andere Gedankengänge mit, Gedanken über die Welt, die Weltsituation, Ängste, Hoffnung, Unmut. Ein Mann, der entgegen seinem Namen kein so harter Mann ist, sondern ein sehr feinfühliger Mensch mit Tiefgang.
Der Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen und überrascht. Schliesslich ist Jörg Hartmann ein Schauspielprofi. Er versteht es, mit wenigen Worten Emotionen miterleben zu lassen, wachzurufen und komplexe Überlegungen darzulegen.
Das Hörbuch, vom Autor selbst gelesen, war ein Hochgenuss. Absolut empfehlenswert.
- Milliardenfach gelebtes Leben, in einem Augenblick einzigartig, von grösster Bedeutung …
- Der Tod meines Vaters hatte bewirkt, dass mir die Gefallmacht und der Gefallzwang … zur Belastung geworden war. Ich hielt die Wichtigtuerei immer weniger aus.
- (am Telefon mit der Mutter, die den Fernseher anhatte) … war der aufgeheizte Mob, der das Kapitol in Washington erstürmte zu hören und ich hoffte, dass dieser gefährlich machtkluge, durch mediale Omnipräsenz unnötig gewürdigte Mensch, an dessen Niedertracht sich alle guten Europäer ergötzten, um sich so der eigenen Makellosigkeit versichern zu können, schnellstmöglich aus dem Weissen Haus verschwinden würde, bevor noch Schlimmeres passierte.