“Ich an meiner Seite” ist die Geschichte des jungen Arthur, 22 Jahre alt, der nach einer absolvierten Haftstraffe von 26 Monaten vor der Herausforderung steht, eine Arbeit und eine Wohngelegenheit zu finden, Anschluss an ein gutes soziales Gefüge.
Eine Zeit in therapeutischer Begleitung, in einem Wohnheim mit einer festen Struktur sollen ihm dabei behilflich sein. Aber wer nimmt einen jungen Menschen mit einer Vorgeschichte, welche nicht den allgemeinen Erwartungen entspricht - einem ehemaligen Straftäter.
Der Therapeut, Dr. Vogl, nur Börd genannt, ist ein etwas schräger Vogel, finde ich, aber passend und die Geschichte etwas auflockernd. Für Arthur allerdings oft nicht einfach. Allerdings entwickelt Arthur, intelligent und mit einer gesunden Resilienz gesegnet, seine eigenen Gedanken, biegt den Therapiegrundgedanken des Starring-Prinzips, bei welchem er sich die Hauptrolle für sein Leben zu eigen machen soll, für sich passend zurecht. Dass Ehrlichkeit am längsten währt, kann man mit seinem Lebenslauf in Frage stellen.
Birgit Birnbacher schildert das Abgleiten von der geraden Bahn, schlimme Szenen aus der Haft, die Therapie, Bewerbungsversuche um Arbeitsstellen und Wohnungen. Das feine Gespür für die Psychologie und unsere gesellschaftlichen Systeme bilden die Grundlage für das Schreiben. Den Witz und Humor, den sie in diese an sich tragische Geschichte einzubringen vermag, lockern auf und machen die Probleme durch den Kontrast umso sichtbarer. Ob Unglaubwürdigkeit, die im Roman hier und da zu finden ist, gewollt ist?
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, mich berührt und traurig gemacht, ist es doch die tragische Realität, dass Menschen, bei denen in jungen Jahren etwas schief läuft - sei dies nun selbstverschuldet oder nicht, wie bei einer psychischen Krankheit - einen schweren Weg vor sich haben.
So wächst Arthur, das Kind mit dem blassen Gesicht und den kantigen Schultern heran. Ein eckiger Mensch, nicht klein, nicht gross, sagen wir, ein kleiner Garderobenschrank, ein Schränkchen mit geschlossenen Türen.