John Irving, einer der grössten noch lebenden Romanciers in den USA, hat ein Buch geschrieben, das in seinem Fluss und seinem anarchistischen Witz seinen alten Klassikern wie “Hotel New Hampshire” und “Garp” stark gleicht. Jimmy Winslow, der junge Mann mit den zwei Müttern (die eine hat ihn zur Welt gebracht, die andere hat ihn grossgezogen….) hat einen Auftrag gefasst, der nicht alltäglich ist. Er soll, um sich der Einberufung in den Vietnamkrieg zu entziehen, nach Wien reisen, um in der österreichischen Hauptstadt Deutsch zu lernen und eine ihm noch unbekannte Frau zu schwängern und sie zu heiraten, da junge Männer mit Kindern und Frau nicht in den Krieg ziehen müssen. So verrückt es klingt, so logisch ist es auch, denn Jimmy sieht überhaupt keinen Sinn darin , sich im Dschungel von irgendwelchen Asiaten abschlachten zu lassen. Was er dann erlebt in der Stadt an der schönen, blauen Donau, ist mal wieder typisch Irving. Die skurrilsten Gestalten, die man sich vorstellen kann, kreuzen seinen Weg, prägen ihn und sein Leben bis in alle Zeiten, er lernt Prostituierte kennen, Agenten vom KGB und vom Mossad, allesamt im Ringerclub, den Jimmy ebenfalls besucht, er hat eine Deutschlehrerin, in die er sich umgehend verliebt und die ihn zwar mag, aber nicht ranlässt, lesbische Niederländerinnen, die ihn in ihr Herz geschlossen haben und einen weinerlichen Franzosen, der noch Jungfrau ist (aber das nicht lange bleiben wird…..). Alles in allem der perfekte, aberwitzige Mikrokosmos der US-amerikanischen Autors, der es noch immer drauf hat.
Warum ich nicht 5 Herzen vergebe: Es dauert relativ lange, bis das Buch in die Gänge kommt. Erst nach etwa 200 Seiten geht die Geschichte so richtig los. Viel zu geschwätzig wird sich über Jimmys Familie zu Beginn ausgelassen, was dem Buch nicht so richtig zuträglich ist. NIchtsdestotrotz ein wahrer Irving, den man zum grössten Teil einfach geniessen kann.