Als hochsensibler Mensch muss ich mir immer in Erinnerung rufen: Empathie ist nicht gleich Altruismus.
Dazu hilft mir Matthieu Ricards nicht mehr ganz neues, aber immer noch hochaktuelles Buch - eine Art Lebensrückblick, insbesondere aber die Quintessenz seines Werdegangs vom Wissenschaftler zum buddhistischen Mönch, die der Autor hier vorlegt.
Empathie kann dazu führen, dass wir Menschen ausbrennen. Denn es ist zu viel des Guten, die Emotionen der anderen mitzuempfinden.
Altruismus hingegen bedeutet Wohlwollen. Das kann man einüben. Wir werden Herr über die auf uns einprasselnden Eindrücke. Das Leid wird damit nicht gutgeheissen, aber anerkannt. Es vermag das Beste aus uns hervorzulocken, aber auch das Schlechteste, wenn uns abgeht, dass wir alle Eins sind. Wir reagieren genervt, wollen mit dem Leid des anderen nicht behelligt werden, weil unser eigenes uns schon über den Kopf wächst.
Altruismus vermag diese Illusion der Trennung zu überwinden. Indem ich dem anderen mit Wohlwollen begegne, steuere ich die Aussenprojektion meines Geistes. Denn es gibt, laut Buddhismus, nichts Neues unter der Sonne. Was wir erfahren, speist sich aus angehäuften Eindrücken, die durchs Unbewusste an uns gelangen.
Meditation dann als Weg der Bewusstwerdung. Auf Altruismus gemünzte Meditation stärkt die Verbundenheitsgefühle und verringert nachweislich die Angst. Alles wissenschaftlich untermauert und durch lebenslange Praxis am eigenen Leib erfahren.
Sehr lesenswert.